20.06.2015
Weiße Weste für Kohlhoff/Werner
Sonne, Wind und Welle: Der erste Tag der Kieler Woche im 133. Jahr bot alles, was das Seglerherz sich wünscht. Und so konnte der Arbeitstag für die Segler der Olympischen Klassen schnell über die Bahn gebracht werden. Bereits nach weniger als drei Stunden waren alle geplanten Rennen im Ziel – mit Top-Ergebnissen für die Teams der deutschen Nationalmannschaft, die in vier der neun olympischen und paralympischen Klassen die Führungen übernommen haben.
„Das war ein guter Auftakt in allen Dimensionen“, freute sich Dirk Ramhorst, der neue Organisationsleiter der Kieler Woche, und erkannte dann doch ein Problem in diesem Starttag. „Nach diesem Tag liegt die Latte sehr hoch, es kann eigentlich nur schlechter werden.“ Er hätte gern etwas mehr segeln lassen, war aber an die Rahmenvorgaben gebunden.
„Gut gestartet, schnell gesegelt!“ So einfach lautete das Erfolgsrezept von Max Boehme. Der 49er-Vorschoter vom Kieler YC befindet sich mit seinem Steuermann Justus Schmidt seit diesem Jahr im Steigflug in die Weltspitze. Beim Worldcup von Hyères lieferten sie mit Platz sechs ihr bestes Karriereresultat ab. Und nach drei Rennen zur Kieler Woche haben sie sogar die Spitzenposition eingenommen, halten den dänischen Olympiasieger von 2008, Jonas Warrer mit Vorschoter Anders Thomsen, und die Europameister von 2014 Erik Heil/Thomas Plößel (Kiel) auf den Rängen zwei und vier in Schach. Alle drei bilden eine Trainingsgemeinschaft und können sich nun Hoffnungen machen, mit dem Gesamtpreisgeld von 6000 Euro am Ende der Kieler Woche den künftigen Trainingseinsatz noch umfangreicher zu gestalten.
Eine überraschend starke Serie legten im Frauen-Skiff 49er FX die Kieler Zwillinge Jule und Lotta Görge hin. Noch im Mai hatte sich Vorschoterin Lotta Görge bei der Eurosaf-Regatta auf dem Gardasee bei einer Kenterung den linken Arm gebrochen, jetzt zieht sie schon wieder gekonnt die Schoten. Mit einem Rennsieg legten die Kielerinnen einen vulminanten Start hin, ließen zwei dritte Plätze folgen und haben nun hinter der niederländischen Crew Annemiek Bekkering/Daniel Bramervaer Platz zwei inne.
Sogar fehlerlos auf ihrem Heimatrevier segelten am ersten Tag Paul Kohlhoff/Carolina Werner. Drei Starts, drei Siege so lautete die überragende Bilanz der jungen Mixed-Crew im künftigen Olympia-Katamaran Nacra17. Nach einem guten Frühjahr sind die Kieler gut gerüstet für die Weltmeisterschaft in Aarhus im Juli.
Für Laser-Segler Tobias Schadewaldt (Oldenburg) könnte sich das Umbuchen des Tickets für die WM in Toronto/Kanada auszahlen. Während Deutschlands derzeit stärkster Segler, Philipp Buhl (Kiel), am Tag des Medal-Races vor Schilksee nach Kanada fliegt und daher auf die Kieler Woche verzichtet, rangiert Schadewaldt nach zwei Rennsiegen auf Platz eins und hat damit ein Preisgeld im Visier.
Eine feste Bank für einen deutschen Sieg ist Heiko Kröger (Ammersbek). Der Paralympics-Sieger von 2000 hat nach sieben Siegen zur Kieler Woche erneut den Bug in der 2.4mR-Klasse vorn. „Es lief allerdings nicht ganz optimal. Ich muss mich noch ein bisschen auf das neue Boot einstellen“, so Kröger. In Ullrich Libor (Hamburg), dem Bronzemedaillengewinner von 1972 vor Kiel, hat er einen neuen Gegner. „Ich habe nach dem Drachen ein neues Boot gesucht, und hatte im vergangenen Jahr das Angebot, den 2.4 auszuprobieren. Ein sehr anspruchsvolles Boot, das unglaublich Spaß macht. Mein Ziel ist es, ins erste Drittel zu kommen“, so Libor.
Dagegen haben die deutschen Starter in den Klassen 470er, Finn und Laser Radial nach dem ersten Tag scheinbar nichts mit dem Kampf um Kieler-Woche-Gold zu tun. Die kroatischen 470er-Weltmeister von 2009, Sime Fantela/Igor Marenic, haben ihre Klasse wenige Tage vor der Europameisterschaft in Aarhus ebenso fest im Griff wie Lara Vadlau/Jolanta Ogar, die österreichischen Weltmeisterinnen des Vorjahres, die dünne Frauen-Flotte dieser Klasse. Und im Finn steuert der Este Deniss Karpak nach seinen Erfolgen in 2012 und 2014 auf seinen dritten Kieler-Woche-Sieg zu. Dagegen ist der dänische Olympia-Zweite von 2012, Jonas Högh-Christensen, als Achter nach zwei Wettfahrten noch nicht in Fahrt und muss auch Deutschlands Nachwuchs-Talent Phillip Kasüske (Berlin) auf Rang vier aus der Ferne betrachten.
Für die deutschen Laser-Frauen wird es sogar zu einem harten Kampf, überhaupt das Medal Race der besten Zehn zu erreichen. Pia Kuhlmann (Schaumburg-Lippe) ist als Zwölfte bei der Führung der Kroatin Tina Mihelic die beste unter schwarz-rot-goldener Flagge.
Ergebnisliste Kieler Woche Teil 1 Tag 1
2.4mR (open): (3) 1. Heiko Kröger (Ammersbek,2/1/3) Punkte 6; 2. Michael Leydon (AUS,8/2/1)11; 3. Bjørnar Erikstad (NOR,5/5/2)12; 4. Kevin Cantin (FRA,3/3/7)13; 5. Henrik Johnsson (SWE,1/11/5)17; 6. Per Ahrbom (SWE,6/7/9)22;
49er: (3) 1. Justus Schmidt / Max Boehme (Kiel,3/1/2) Punkte 6; 2. Jonas Warrer / Anders Thomsen (DEN,1/8/1)10; 3. Dominik Buksak / Grzegorz Gozdzik (POL,2/2/6)10; 4. Erik Heil / Thomas Ploessel (Kiel,5/6/8)19; 5. Chris Taylor / Sam Batten (GBR,6/12/3)21; 6. Benjamin Bildstein / David Hussl (AUT,7/4/10)21;
49er FX: (3) 1. Annemieke Bekkering / Daniel Bramervaer (NED,3/1/1) Punkte 5; 2. Jule Görge / Lotta Görge (Kiel,1/3/3) 7; 3. Leonie Meyer / Elena Stoffers (Hamburg,4/2/2) 8; 4. Victoria Jurczok / Anika Lorenz (Kiel,2/5/5) 12; 5. Klara Wester / Rebecca Netzler (SWE,6/8/4) 18; 6. Randi Forsaa / Nathalie Lagergren (SWE,9/4/7) 20;
Nacra 17: (3) 1. Paul Kohlhoff / Carolina Werner (Strande,1/1/1) Punkte 3; 2. John Casey / Kristen Lane (USA,4/3/8)15; 3. Andre Mirsky / Kyra Mirsky (BRA,2/9/6)17; 4. Justin Liu / Denise Lim (SIN,3/5/14)22; 5. Eckart Kaphengst / Tine-Marie Kaphengst (Sören,5/11/7)23; 6. Francesco Sabatini / Marcella Mamusa (ITA,20/2/3)25;
Finn: (2) 1. Deniss Karpak (EST,1/2) Punkte 3; 2. Stig Steinfurth (DEN,3/1)4; 3. Mads Bendix (DEN,4/3)7; 4. Phillip Kasüske (Kiel,2/6)8; 5. Anders Pedersen (NOR,6/4)10; 6. Lauri Väinsalu (EST,5/5)10;
470 M: (2) 1. Sime Fantela / Igor Marenic (CRO,1/1) Punkte 2; 2. Mikhail Sheremetev / Maksim Sheremetev (RUS,2/4)6; 3. Panagiotis Kampouridis (GRE,4/3)7; 4. Asenathi Jim / Roger Hudson (RSA,6/2)8; 5. David Bargehr / Lukas Mähr (AUT,3/5)8; 6. Deniz Cinar / Ates Cinar (TUR,5/6)11;
470 W: (2) 1. Lara Vadlau / Jolanta Ogar (AUT,1/1) Punkte 2; 2. Dimitra Pagida / Sofia Papadopoulou (GRE,2/2)4; 3. Antonina Marciniak / Karolina Soltaniuk (POL,3/3) 6; 4. Muriel-natalie Schröder / Fanny Popken (Potsdam,4/5) 9; 5. Lena Stückl / Lorena Abicht (Tutzing,6/4) 10; 6. Domenique Freund / Annabell Prockat (Berlin,5/6) 11;
Laser Standard: (2) 1. Tobias Schadewaldt (Oldenburg,1/1) Punkte 2; 2. Michael Hansen (DEN,2/2) 4; 3. Tadeusz Kubiak (POL,4/1) 5; 4. Toma Visic (CRO,1/5) 6; 5. Mattis Naud (FRA,3/3) 6; 6. Rui Silveirä (POR,6/2) 8;
Laser Radial: (2) 1. Tina Mihelic (CRO,1/1) Punkte 2; 2. Erika Reineke (USA,5/1)6; 3. Marthe Enger Eide (NOR,4/2)6; 4. Tiril Hartvedt Bue (NOR,3/5)8; 5. Tatiana Drozdovskaya (BLR,7/2)9; 6. Elena Vorobeva (RUS,2/8)10;
Melges 24: (3) 1. Kim Christensen / Peter Jakobsen, Jamie Lea, Henriette Frislev, Celine Carlsen (DEN,1/1/2) Punkte 4; 2. Martin Trcka / Michal Kotek, Michaela Zarubova, Jan Skoda, Petr Fiala (CZE,2/3/1)6; 3. Kicker Schäfer / Eddy Eich, Walter Rothlauf, Oliver Oczyc, Adrian Hoesch (München,5/2/4)11; 4. Marc Wain Pedersen / Simon Østergaard, Brun Bojland, Claes Bohn-Willeberg (DEN,4/4/3)11; 5. Peter Warrer / Michael Risør, Kasper Sohn, Jakob Ege Friis, Lea Høy (DEN,3/5/6)14; 6. Peter Havn / Kristian Schaldemose, Josefine Boel Rasmussen, Søren Andersen (DEN,6/6/5)17;
J/70: (3) 1. Hubert Merkelbach / Jörg Munck, Jonathan Koch, Max Kurfürst (Ueberlingen,1/1/4) Punkte 6; 2. Oscar Lundqvist / Jacob Lundqvist, Frederik Wahlberg, Christian Harding (SWE,5/2/1)8; 3. Hugo Rocha / Alexey Semenov, Fran Palacios, Ruben Castells (ESP,3/4/2)9; 4. Gordon Nickel / Morten Nickel, Nils Merten Färber, Nick Schlomka (Stade,7/5/7)19; 5. Claas Lehmann / Marc-daniel Mählmann, Björn Athmer, Tom Stryi (Hamburg,2/10/11)23; 6. Philipp Kadelbach / Hendrik Kadelbach, Yannick Wloch, Henry De Bokay (Berlin,6/7/14)27;
J/80: (3) 1. Björn Beilken / Jork Homeyer, Tobias Teichmann, Alexander Beilken (Berne,1/2/2) Punkte 5; 2. Martin Menzner / Frank Lichte, Mika Rolfs, Carsten Hopp (Stein,2/3/1)6; 3. Sven Vagt / Tjark Schwebe, Mathes Schwebe, Hendrik Conradi (Hamburg,4/1/5)10; 4. Sören Hadeler / Peer Schickedanz, Simon Bodermann, Henning Buchmann (Bremen,3/4/7)14; 5. Martin Christiansen / Henrike Rolf, Tesch Ullrich, Hengstmann Andreas (Seevetal,8/5/3)16; 6. Hauke Krüss / Ole Sartori, Felix Koester, Jens Tschentscher, Luca Sartori (Hemelingen,5/14/4)23;
Albin Express: (3) 1. Arne K Larssen / Nils Albrecht, Steffen Mühlenkamp, Merle Risy, Sebastian Hantke (SWE,1/1/1) Punkte 3; 2. Morten Arndal / Dennis Petersen, Anette B. Hansen, Martin Dyxenburg, Brian n.n. (DEN,2/2/3)7; 3. Andreas Pinnow / Nora Weger, Andreas Körnig, Johann Tamme, Martin Rosenthal (Kiel,6/3/2)11; 4. Jan Brink / Jörg Rüterhenke, Jan Günther, Lasse Waltje (Flensburg,3/5/4)12; 5. Martin Görge / Rasmus Görge, Julius Köhnlein, Claus Köhnlein (Kiel,5/7/5)17; 6. Kim Lago Nørgaard / Magnus Brønd, Jesper Misfeldt, John Jørgensen, Ulrik Staalros (DEN,4/4/12)20;
WR Kiel/Eckernförde Albin Ballad: 1. Jens Becker (Schwentine,1) Punkte 1; 2. Willi Decker / Heiko Schumann, Marcel Möller, Steffen Tiedemann, Sören Beckmann (Freiburg,2)2; 3. Klaus Lange (Hamburg,3)3; 4. Christiane Waldmann / Torsten Volkholz, Alessandro Stoltenberg, Rahel Druen (Kiel,4)4; 5. Karl-Heinz Wulf (Kiel,5)5; 6. Michael Langhans / Thomas Wiese, Jan Lok (Otterndorf,8)8;
WR Kiel/Eckernförde ORC I: 1. „IMMAC ONE4ALL“ Kai Mares (Hamburg,1) Punkte 1; 2. „Xenia“ Ralf Lässig (Bremerhaven,2) 2; 3. „X-Day“ Niels Gauter (Hamburg,3) 3; 4. „El Pocko“ Thomas Jungblut (Hamburg,4) 4; 5. „Desna“ Sven Wackerhagen (Kiel,5) 5;
WR Kiel/Eckernförde ORC II: 1. „Xen“ Sven Christensen (Flensburg,1) Punkte 1; 2. „Speedy Gonzales“ Werner Jensen (Kiel,2) 2; 3. „Solconia“ Gerd Schneider (Lübeck,3) 3; 4. „Halbtrocken Xpress“ Michael Berghorn (Amrum,4) 4; 5. „Lutzifer“ Lutz Martin (Kiel,5) 5; 6. „Resulute“ Andi Lochbrunner (Lindau,6) 6;
WR Kiel/Eckernförde ORC III/VI: 1. „Patent3“ Henning Tebbe (Hamburg,1) Punkte 1; 2. „Static Electric“ Heiko Päsler (Cuxhaven,2) 2; 3. „Halbtrocken“ Knut Freudenberg (Bad Laer,3) 3; 4. „Siouxsie“ Søren Jepsen (Heikendorf,4) 4; 5. „Varuna X Press“ Kai Haupthoff (Eckernförde,5) 5; 6. „Quattro“ Klaus-Peter Boock (Schellhorn,6) 6;
WR Kiel/Eckernförde Multihull: 1. „Musandam – OmanSail“ Sidney Gavignet (OMA,1) Punkte 1;
2.4mR Klasse Heiko Kröger GER 1
Foto: Kieler Woche/OKPress
49er Klasse Erik Heil und Thomas Ploeßel beim Runden der Tonne.
Foto: Kieler Woche / www.segel-bilder.de
Regattatermine der Kieler Woche 2015 ( 20. bis 28. Juni):
Olympischer Teil, EUROSAF Champions Sailing Cup: 20. bis 24. Juni:
Charly: 470er M+W, Finn M
Echo: Laser Std. M, Laser Rad. W
Golf: 2.4mR (open), Sonar (open)
Hotel: 49er M
Juliett: Nacra 17 Mix, 49erFX W
Internationaler Teil (25. bis 28. Juni):
Charlie: 505er, FD
Echo: 420er
Foxtrott: J/24, Folkeboot, H-Boot
Golf: Musto Performance Skiff, RS 800
Hotel: 29er
India: Contender, OK-Jolle
Juliett: Europe, Laser Radial (open), Laser 4.7
Kilo: Formula 18, Hobie 16, A-Cat
Seebahnen (20. bis 27. Juni):
20. - 21. Juni: Welcome Race (ORC-Club I-IV, Albin Ballad, Multihull)
20. - 23. Juni: Kiel-Cup Foxtrott (Melges 24, J/70, J/80, Albin Express, SB 20, Platu 25)
22. bis 24. Juni: Kiel-Cub Alpha (ORC-Int. I-IV)
25.-26. Juni: Silbernes Band (ORC-Club I-IV)
27. Juni: Senatspreis (ORC-Club I-IV)
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