Vendee Globe2020: Boris Herrmann vorläufig Vierter !

Der französische „Maître Coq IV”-Skipper Yannick Bestaven hat die 9. Edition der Vendée Globe gewonnen. Obwohl er die Ziellinie am frühen Donnerstagmorgen um 3.19 Uhr erst als Dritter erreicht hatte, siegte der 48-Jährige mit 2 Stunden, 31 Minuten und 1 Sekunde vor Charlie Dalin („Apivia“) und 6 Stunden, 40 Minuten und 26 Sekunden vor „Bureau Vallée 2“-Skipper Louis Burton. Weil Bestaven wie Boris Herrmann („Seaexplorer – Yacht Club de Monaco“) und Jean Le Cam („Yes We Cam“) an der Rettungsmission von Kevin Escoffier beteiligt war, hatte die Wettfahrtleitung denn drei Skippern in Abhängigkeit vom Umfang ihres Einsatzes jeweils eine Zeitgutschrift gewährt. Yannick Bestaven hatte eine Wiedergutmachung von 10 Stunden und 15 Minuten erhalten und zog damit im Endergebnis an den beiden vor ihm im Ziel gewesenen Charlie Dalin und Louis Burton vorbei.


Der „Maître Coq IV“-Mann war einer von zwei Skippern, die diese Vendée Globe am häufigsten angeführt hatten: An 26 Tagen (32 %) war es der sympathische in Arcachon großgewordene Solosegler, der vorne lag. Yannick Bestavens Mentor ist Yves Parlier. Seine größte Stärke hält er gleichzeitig für seine größte Schwäche: „Meine Sturheit. Außerdem bin ich ziemlich widerstandsfähig.“ Obwohl Yannick Bestaven vor dem Start nicht zu den offensichtlichen Favoriten zählte, hatte er sich insbesondere in den Südmeeren als starker Kämpfer erwiesen. Insbesondere galt das im Indischen Ozean: Nachdem er das australische Kap Leeuwin als Dritter passierte hatte, erreichte er Kap Hoorn als Erster mit einer 15-stündigen Führung.

Boris Herrmann hatte Yannick Bestaven, Mini-Transat-Gewinner von 2001 und seit 20 Jahren als Offshore-Segler sehr aktiv, immer als einen Kandidaten für einen gelungenen Coup auf der Rechnung und schon vor einer Woche gesagt: „Als zuletzt Sechster hat Yannick immer das Messer zwischen den Zähnen. Er hat im Verlauf des Rennens immer wieder gut Wege gefunden, sich nach vorne zu schieben. Schauen wir, ob und welche Überraschungen er uns jetzt noch bescheren kann.“ Zu was Yannick Bestaven, der seinen ersten Vendée-Globe-Einsatz 2008 schon wenige Stunden nach dem Start mit Mastbruch in der Biskaya hatte aufgeben müssen und mit Watt & Sea inzwischen sein eigenes Unternehmen führt, das Hydrogeneratoren entwickelt und auch Imoca-Yachten damit ausrüstet, imstande ist, das hat er jetzt gezeigt.

Ähnlich gute Platzierungschancen hatte sich auch Boris Herrmann mit herausragenden Leistungen bei seiner Vendée-Globe-Premiere erarbeitet. Doch dann brachte ihn weniger als 100 Seemeilen vor der Ziellinie nach 80 Tagen auf See die Kollision mit einem Fischtrawler vom Erfolgskurs ab und schockte nicht nur ihn selbst, sondern Millionen Fans in der Heimat. Doch Herrmann steckte den Rückschlag auf der Zielgeraden bei Schäden wie einem gebrochenen Foil und einem abgerissenen Bugspriet souverän weg, reparierte, was zu reparieren war, biss sich durch und katapultierte sich noch auf Platz vier. Die offizielle Bestätigung für das Ergebnis stand am Donnerstagnachmittag noch aus, denn der auf Platz acht segelnde fünfmalige Rekordteilnehmer Jean Le Cam (61, „Yes We Cam!“) strebte dem Ziel mit einer Zeitgutschrift von 16 Stunden und 15 Minuten entgegen und hatte noch theoretische Chancen, den 39-jährigen Hamburger von seinem glorreichen vierten Platz zu verdrängen. Schon kurz vor dem Zieldurchgang hatte sich Herrmann mit WhatsApp-Nachrichten vor seinen Fans verneigt: „Liebe Freunde! Ich danke Euch so sehr für Eure Unterstützung – in guten wie in schlechten Zeiten. Wir sind durchgekommen. Wir sind fast da.“ Wenig später konnte der Skipper seine Frau Birte Lorenzen-Herrmann, Tochter Marie-Louise und Familienhund Lilli in die Arme schließen und die erste erfolgreich abgeschlossene Vendée-Globe-Weltumseglung eines deutschen Starters im Start- und Zielhafen Les Sables-d’Olonne feiern.

Die 9. Auflage der Vendée Globe hatte eine Rekordteilnehmerzahl von 33 Booten mit 27 Männern und sechs Frauen an den Start gelockt. Acht waren bis zum Zieldurchgang von Boris Herrmann ausgeschieden. Komplizierte Wind- und Wetterbedingungen hatten für insgesamt langsamere Atlantik-Abschnitte gesorgt als bei vorherigen Auflagen. Im südlichen Pazifik hatte eine flaue Phase ebenso für ein Zusammenrücken der vorderen Boote gesorgt wie später noch einmal vor Rio de Janneiro. Die schwierige, kurze und kreuzende See im Indischen Ozean hatte darüber hinaus dafür gesorgt, dass die kraftvollen Foiler der jüngsten Generation nicht ihr volles Potenzial abrufen kkonnten. Darüber hinaus erlitten mit Thomas Ruyants „LinkedOut“ und Charlie Dalins „Apivia“ gleich zwei Top-Boote Foil-Schäden.

Die dramatischsten Momente erlebte die Regatta um die Welt am 22. Tag nach dem Start vom 30. November auf den 1. Dezember, als Kevin Escoffiers Imoca-Yacht „PRB“ plötzlich rund 640 Seemeilen südwestlich entzweibrach und sank. Escoffier konnte in letzter Sekunde in seine Rettungsinsel umsteigen. Auch Boris Herrmann zählte in dieser Nacht zu den Skippern, die von der Wettfahrtleitung zur Unglücksstelle umdirigiert wurden. Ebenso Sieger Yannick Bestaven und Rekordteilnehmer Jean Le Cam, der Escoffier schließlich nach elfeinhalb Stunden in der Dunkelheit fand und rettete. Für die bei der Aktion mit Happy Ende investierte Zeit hatten die Beteiligten entsprechende Wiedergutmachung erhalten. Bei der Entscheidung hatte sich allerdings niemand vorstelllen können, wie ausschlaggebend diese Gutschriften einmal sein würden.

DIE PODIUMSPLÄTZE DER 9. VENDÉE GLOBE
UND PLATZ VIER FÜR BORIS HERRMANN

1 – “Maître Coq IV” (Yannick Bestaven), im Ziel: 28.01.2021 um 3:19:46 UTC, gesegelte Zeit: 80 T 13 Std. 59 Min. 46 Sek.. Wiedergutmachung: -10 Std. 15 Min. 00 Sek., Offiziell korr. Zeit: 80 T 3 Std. 44 Min 46 Sek.
Durchschnittsgeschwindigkeit auf theoretischem Kus: 24 365.74 SM / 12.60 Knoten.
Gesegelte Seemeilen über Grund: 28 583.80 Seemeilen bei einem Durchschnitt von 14,78 Knoten

2 – “APIVIA” (Charlie Dalin), im Ziel: 27.01.2021 um 19:35:47 UTC, gesegelte Zeit: 80 T 6 Std. 15 Min. 47 Sek.
Keine Wieddergutmachung. Rückstand zu Platz 1: 2 Std. 31 Min. 1 Sek.
Durchschnittsgeschwindigkeit auf theoretischem Kus: 24 365.74 SM / 12.65 Knoten
Gesegelte Seemeilen über Grund: 29 135.01 Seemeilen bei einem Durchschnitt von 15,13 Knoten

3 – “Bureau Vallée 2” (Louis Burton), im Ziel: 27.01.2021 um 23:45:12 UTC, gesegelte Zeit: 80 T 10 Std. 25 Min 12 Sek., keine Wiedergutmachung, Rückstand auf Platz 1: 6 Std. 40 Min. 26 Sek., Rückstand auf „Apivia“: 4 Std. 9 Min. 25 Sek.
Durchschnittsgeschwindigkeit auf theoretischem Kurs: 24 365.74 nm / 12.62 Knoten
Gesegelte Seemeilen über Grund: 28 649.99 Seemeilen bei einem Durchschnitt von 14,84 Knoten

4 – „Seaexplorer – Yacht Club de Monaco” (Boris Herrmann), im Ziel: 28.1.2021 um 11:19:45 Uhr, gesegelte Zeit: 80 T 20 Std. 59 Min. 45 Sek, Wiedergutmachung: -6 Std. 00 Min 00 Sek.
Offizielle korr. Segelzeit: 80 T 14 Std. 59 Min 45 Sek
Rückstand auf Platz 1; 11 Std. 14 Min 59 Sek
Durchschnittsgeschwindigkeit auf theoretischem Kurs: 24.365,74 Seemeilen / 12,55 Knoten
Gesegelte Seemeilen über Grund: 28 448,53 Seemeilen bei einem Durchschnitt von 14.66 Knoten