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Sönke Roever : Zu Zweit von Deutschland nach Neuseeland
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17.03.2008
Bilderbuchsegeln - 305 Tage unterwegs - Seemeilen: 7.099
Auf der 470-Seemeilen-Strecke zwischen der niederländischen Antilleninsel Curacao und der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena wird uns einmal mehr klar, wie einfach und schön Langstreckensegeln doch sein kann. "Einfach", weil wir vor Curacao unsere Passatbesegelung setzen und sie erst 440 Seemeilen später wieder runter nehmen. Dazwischen ändern wir unseren Kurs - dem Küstenverlauf folgend - zwar um bis zu siebzig Grad, aber der Wind dreht mit.
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So müssen wir weder großartig die Segelstellung noch den Windwinkel der Windfahne verändern. Einzig auf den letzten dreißig Seemeilen nehmen wir den Motor zu Hilfe, weil wir bei zwei bis vier Knoten Wind auf der Stelle stehen. Und "schön" ist das Segeln, weil die Sonne auf die Haut strahlt, weil der Wind kühlend um die Nase streift, weil HIPPOPOTAMUS sicher dem Ziel entgegen segelt und wir die Zweisamkeit genießen. Oder anders formuliert: Weil unsere Seelen im Takt der Wellen baumeln.
Und obwohl die Überfahrt augenscheinlich unspektakulär verläuft, ist es alles andere als langweilig an Bord. Unter anderem liegt dies daran, dass wir es leid sind, auf jeder noch so kleinen Insel ein- und auszuklarieren. Da Segler auf Curacao für diesen bürokratischen Akt sogar extra mit dem Bus zur Inselhauptstadt Willemstad fahren müssen, beschließen wir während unseres dreitägigen Aufenthaltes einfach die Q-Flagge oben zu lassen und weder ein- noch auszuklarieren. Bisher hat sich sowieso nie jemand darum gekümmert. Wie sagte doch der legendäre Herr Thiessen beim gleichnamigen Schiffsausrüster in Kiel-Holtenau einmal zu Sönke: "Von der Wiege bis zur Bahre. Formulare, Formulare!"
So kommt natürlich was kommen muss - nur weil wir einmal im Leben auf die Formalitäten verzichten. Kaum, dass wir den Anker oben haben und die Bucht Spaanse Waters verlassen, kreist über uns ein Hubschrauber der Küstenwache. Nach zwei Runden verschwindet er wieder und hält direkt auf Willemstad zu. Na, das fängt ja gut an... Trotz leichter Verunsicherung beschließen wir, ihn zu ignorieren und fahren weiter.
Als Willemstad bereits zwei Meilen achteraus liegt, sehen wir, wie ein großes - gefühlt "sehr großes" - Schiff der Marine den Hafen verlässt, seinen Kurs ändert und auf uns zuhält. In einem Abstand von einer Viertelmeile zieht der Koloss an uns vorbei und stoppt auf. Prompt tönt es aus dem Sprechfunkgerät "Sailing Yacht northwest of Willemstad, this is Coast Guard". Wir melden uns umgehend und nach einem Wechsel auf den Arbeitskanal 14 erklärt man uns höflich, dass wir doch bitte Kurs halten sollen, weil man Mann-Über-Bord-Manöver üben möchte.
Das war knapp. Und wir dachten schon… Schwein gehabt. Auch wenn der Hubschrauber noch zweimal wiederkommt, bestätigt sich am Ende doch noch unser Verdacht. Es interessiert einfach niemanden - selbst in Cartagena beim Einklarieren nicht, ob wir auf Curacao waren oder nicht beziehungsweise dort ein- oder ausklariert haben...
Sonst gibt es außer den üblichen Dampferbegegnungen keine besonderen Vorkommnisse. Ach so, außer vielleicht, dass wir in der zweiten Nacht durch einen riesigen Schwarm fliegender Fische segeln. Deren Aus- und Eintauchgeräuschkulisse ist in Summe lauter als das Rauschen der Wellen um uns herum. Eine Mischung aus Plätschern, Rascheln und Klatschen. Immer wieder sammeln wir die zappelnden Dinger aus dem Cockpit. Manche von ihnen sind immerhin so clever, dass sie nach missglückter Landung eigenmächtig und tollkühn unsere Selbstlenzer als Notausgang wählen. Nach einer Stunde Schwarmlenkungsübungen mit dem Suchscheinwerfer ist der Spuk vorbei. Unglaublich. Allerdings hat die Begegnung noch ein kleines Nachspiel. Am morgen danach riecht es zunehmend nach Fisch an Bord. Schnell ist geklärt warum. Beim Gang über Deck entdecken wir elf sonnengedünstete Fischleichen. Sie liegen hinter Klampen, stecken unter Lukenrändern oder hängen zwischen Kanistern. Das Leben ist hart...
Themenwechsel: Schon nach nur einem Abend in Cartagena merken wir, dass dies eine faszinierende Stadt ist. Sicher, preis- und sehenswert! Hier werden wir jetzt eine Woche bleiben und wahrscheinlich auch HIPPOPOTAMUS an Land nehmen, um unser Unterwasserschiff zu malen.
In diesem Sinne wünschen wir euch nun viel Spaß mit etwas anderen Bildern einer ganz ungewöhnlich angenehmen Überfahrt. Fotos von Cartagena gibt es beim nächsten Update.
Judith und Sönke
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