23. Januar 2012
Weltpremiere des foiler F1 von Klaus J. Enzmann
auf der boot Düsseldorf
Die nächste Generation segelt auf Tragflächen
Hydrofoil-Katamaran mit Mittelcockpit für ein oder zwei Personen
DÜSSELDORF. Wer wirklich schnell segeln will, darf das Wasser so wenig wie
möglich berühren. Minimalen Widerstand garantieren Tragflächenboote. Kommen
so genannte Hydrofoils auf Mehrrümpfern zum Einsatz, sind rekordverdächtige
Geschwindigkeiten drin. All dies vereint Diplom-Ingenieur Klaus J. Enzmann
(71) aus Planegg in seinem futuristischen Prototyp foiler F1, den der
bekannte bayerische Katamarankonstrukteur am Montag (23. Januar) auf der 43.
Internationalen Wassersportmesse boot in Düsseldorf (Halle 15, Stand 15/B25)
vorstellte, die noch bis Sonntag (29. Januar) läuft.
Der 5,50 Meter lange
Tragflächen-Kat mit Mittelcockpit für ein oder zwei Personen soll schon bei
Leichtwind abheben und bei starker Brise mehr als 70 km/h (mehr als 40
Knoten) schnell werden, dabei jedoch einfach und sicher zu segeln sein. Denn
seine Hydrofoils werden per Computer gesteuert und je nach Wind- und
Wellenbedingungen optimal eingestellt.
„Die Zukunft liegt über dem Wasser“, sagt Enzmann, der seit Ende der
60er-Jahre erfolgreich A-Cats und später die schwertlosen Modelle der Marke
TOPCAT gezeichnet hat, „die nächste Generation segelt auf Tragflächen.“
Ähnlich spektakulär wie schon die Moth-Jollen auf einer Mittelflosse soll
auch der F1 eher fliegen, denn fahren.
Spätestens seit dem
Geschwindigkeitsweltrekord 2009 des dreimal so großen Trimarans
„Hydroptère“, der auf einer 500-Meter-Strecke durchschnittlich 51,36 Knoten
(fast 95 km/h) und in der Spitze mehr als 100 km/h schnell war, sorgen
Tragflächenkonstruktionen im Wassersport weltweit für Aufsehen. Die Catlift
GmbH & Co. Entwicklungs KG von Enzmann beschäftigt sich schon seit mehr als
20 Jahren mit diesem Prinzip und bringt nun mit dem foiler F1 eine schon an
den ersten Messetagen viel beachtete Weltneuheit auf den Markt, deren
bahnbrechende Technologien zum Patent angemeldet wurden.
Sein Potential verdankt das Boot konsequenter Leichtbauweise aller
Komponenten in Epoxid-Karbon-Technologie bei gleichzeitig höchster
Festigkeit. Komplett ausgerüstet mit Instrumenten und Lithium-Ionen-Akku,
der vier bis sechs Stunden hält, wiegt der Tragflächen-Kat weniger als 140
Kilogramm. Wegen der hohen Fahrtgeschwindigkeiten wurde auch der Aerodynamik
große Bedeutung beigemessen. Das Design ist schnittig und sieht schlicht gut
aus. Das Cockpit wurde ergonomisch gestaltet und verspricht trockenes,
komfortables Segeln. Angetrieben wird der Kat allein von einem
14-Quadratmeter-Folien-Großsegel. Auf den weiteren Turbo eines Flügelriggs
verzichtete der Projektinitiator wegen zu aufwändiger Handhabung. Sein Boot
soll in wenigen Minuten zusammengebaut und segelklar sein.
Der Clou des foiler F1 sind seine T-förmigen Tragflächenschwerter, die
seitlich hochgeklappt werden können, damit der Vorteil eines Kats, das
Ablegen und Anlegen im flachen Wasser, erhalten bleibt. Die beiden
Seitenschwerter sind nicht starr senkrecht angeordnet, sondern zur Seite
nach außen gespreizt. Dadurch entsteht an der Lee-Tragfläche nicht nur der
erforderliche Auftrieb, um die „Flughöhe“ zu gewährleisten, sondern
gleichzeitig Druck nach Luv, was die Abdrift mehr als halbiert. Den
„Luff-Push-Effekt“ unterstützt die Luv-Tragfläche, die automatisch negativ
angestellt wird, wenn die Flughöhe nach oben zunimmt, und dann nicht nur Sog
nach unten sondern auch nach Luv erzeugt. Durch das enorme aufrichtende
Moment wird der Kat hoch am Wind noch schneller und kreuzt mit wenig Abdrift
besonders gut.
Das technische Herzstück an Bord ist die digitale Steuerung der „Flughöhe“
über den Wellen bei allen Bedingungen. Sie sollte sowohl bei Beschleunigung
und Abbremsen des Kats immer gleich sein, aber auch in einer Bö und einem
Flautenloch, bei hoher Querkraft auf Kreuzkurs genauso wie bei schädlichen
Nickbewegungen vor dem Wind, – und das alles in unterschiedlichem
Wellengang. Enzmann löst das Problem mittels einer Software, die sein Sohn
Christian geschrieben hat. Ein Stab mit einem digitalen Winkelsensor gibt
die Höhe über der Wasseroberfläche an den Bordcomputer weiter. Dieser
filtert die Wellenbewegung heraus und gibt das erforderliche Signal zur
Stabilisierung an einen schnellen und starken Schrittmotor zur
Tragflächensteuerung weiter. Der Wirkungsgrad ist deutlicher höher als bei
mechanischen Trimmklappen an der Hinterkante der Tragflächen. Enzmann:
„Unsere Foils flattern nicht. Die Steuerbewegungen, die über verstellbare
Pedale und Schubstangen auf das Tragflächenruder erfolgen, können viel
geringer ausfallen, was die Bedienung erheblich erleichtert. Der F1 ist
überhaupt nicht schwierig zu segeln.“
Beweisen will der „bayerische Katamaran-Papst“, wie er in der Multihullszene
oft genannt wird, das alles ab März in Praxistests auf dem Walchensee.
Gesegelt wird dank doppelter Großschotführung wahlweise allein aus dem
hinteren Cockpit, wo die Instrumente mit Touchscreen-Bildschirm ins
Armaturenbrett eingelassen sind, oder zu zweit. Die Liegesitze sind
herausnehmbar, ebenso wie die gesamte Instrumententafel mit Computer und der
Akku gegen Diebstahl gesichert werden können. Zwei Anschnallgurte sind
optional, das Tragen eines Helms empfohlen, auch wenn das Gerät als
vergleichsweise kentersicher eingestuft wird.
Ab Mai könnte der erste foiler F1 ausgeliefert werden und soll dann in Serie
gehen. Lizenznehmer und Vertriebspartner werden bereits gesucht. Auf den
fünfstelligen Preis hat sich der Urheber noch nicht festgelegt, nur so weit:
„Es wird ab Windstärke drei das schnellste Segelboot überhaupt sein, das
käuflich erworben werden kann.“ Und eine größere, noch schnellere Variante
hat Dipl. Ing. Enzmann auch schon in der „Schublade“. Sobald sich ein
Sponsor für den Bau findet, will er den Kitesurfern, die derzeit in den
Rekordbüchern stehen, den Geschwindigkeitstitel wieder abjagen.
Technische Daten foiler F1
Länge über alles: 18 Fuß
5,50 Meter
Breite ohne Tragflächen: 12 Fuß 3,50
Meter
mit Tragflächen (unter Wasser): 16 Fuß 5,00
Meter
Segelfläche: 150 Quadratfuß
14,0 Quadratmeter
Gewicht: 306 Pfund (Pound)
138,4 Kilogramm
Geschwindigkeitspotential: mehr als 40 Knoten mehr als 70
km/h
Konstruktion und Design: Dipl. Ing. Klaus J. Enzmann
Software: Christian Enzmann, München
Realisation: Catlift GmbH & Co. Entwicklungs KG,
Planegg
Lieferbar: ab Mai 2012
Preis: auf Anfrage
Catlift GmbH & Co KG
Jakob-Lenz-Str.11
D-82152 Planegg
http://hydrofoil.enzmann.net
Andreas Kling
Journalist + PR Consultant
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