Skiff Euro 31.07.2017

31.07.2017

Nur nicht ab durch die Mitte
Briten dominieren im 49er – Nacra 17: Kohlhoff/Stuhlemmer fliegen auf Rang vier.
Am zweiten Tag der Europameisterschaft der 49er, 49er FX und Nacra 17 vor Kiel Schilksee war Entscheidungsfreudigkeit gefragt. Links oder rechts raus, nur nicht durch die Mitte, denn dort machten die vielen Winddrehern den Seglern zu schaffen.

Morgenabend enden die Qualifikationsrennen und es folgt die Einteilung in Gold- und Silberflotte. Am Freitag endet die Mehrfach-EM, die der Kieler Yacht-Club und Norddeutsche Regatta Verein ausrichten, mit den Medal Races im Theater Style, einem „Spielfeld“ auf dem Wasser.
„Da haben wir fast den Zug verpasst“, sagt Steuermann Justus Schmidt. Die richtige Richtung hätten sie mit ihrem 49er beinahe verfehlt, als der Wind gegen Ende des dritten Rennens „abgestellt“ wurde. Doch eben nur fast. Mit ihrem 11., 4. und 3. Rang sind sie zufrieden. Damit liegen die Europameister von 2015 insgesamt auf dem 9. Platz.

An der Spitze sind die beiden britischen Teams Dylan Fletcher-Scott/Stuart Bithell vor James Peters/Fynn Sterritt. Auf Rang drei folgen David Gilmour/Joel Turner (Australien). Im ersten Rennen verhinderte ein nicht optimaler Start ein besseres Ergebnis für Justus Schmidt/Max Boehme (Kiel). „Die Qualifikationsserie wird gar nicht so hoch gewichtet. Es ist wichtig, dass wir den Schritt ins Goldfleet schaffen“, so Schmidt. Den beiden fehlt die Saisonvorbereitung. Da Max Boehme in Polen studiert, kamen nicht viele Trainingsstunden auf dem Wasser zusammen. „Wir nutzen die EM, um zu schauen, wo wir stehen.“ Es geht darum, die Balance zu halten, zwischen dem Studium auf der einen Seite und gleichzeitig nicht den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren auf der anderen. „Wir fühlen uns gut. Die anderen sind nicht zu weit weg“, ist ihr Fazit nach dem zweiten Tag. In vier Wochen ist die WM in Portugal – der Saisonhöhepunkt für die Kieler. Ab Oktober wollen sie sich dann ins Studium reinhängen. Ab nächstem Sommer kommt Max Boehme wieder nach Kiel zurück, und dann steigen sie voll in die Olympiakampagne 2020 ein.

Dabei können sie zwar nicht mehr auf die finanzielle Unterstützung des aufgelösten Sailing Team Germany setzen, aber „wir werden ja weiter von Audi unterstützt“, freuen sich Schmidt/Böhme, die mit „Immac“ einen weiteren Sponsor haben und von der Kieler Sporthilfe sowie dem Team SH des Landessportverbandes gefördert werden.

Im Nacra17 mit C-Foils begannen Tom Heinrich und Mathias Mollat heute mit einem vierten Rang und verbesserten sich dann kontinuierlich. Nach einem dritten und zweiten Platz rangieren sie momentanen auf dem Gesamt-Vierten hinter Calle Sørensen/Daniel Bjørnholt (Dänemark), Pip Pietromonaco/Conor Nicholas (Australien) und Paul Darmanin/Lucy Copeland (Australien). So haben sie sich eine gute Ausgangsposition für die kommenden Tage ersegelt. „Man musste sich für eine Seite komplett entscheiden, weil in der Mitte mit den Winddrehern nichts ging. Das hat zwei Rennen gedauert, bis wir das herausgefunden haben“, so Tom Heinrich.

Die C-Foils werden zwar außerhalb der Titelkämpfe gewertet, doch für Heinrich zählt bei dieser Europameisterschaft das Motto: „Egal wie, Hauptsache Segeln“. Seit sechs Tagen sitzt er erst mit Vorschoter Mathias Mollat aus Norwegen in einem Boot. Eine halbe Woche zuvor hatte er von seiner Vorschoterin Alica Stuhlemmer die Information erhalten, dass sie zusammen mit Paul Kohlhoff segelt. Auch Kohlhoffs ehemalige Vorschoterin Luisa Krüger, bei der er anfragte, sagte ab.

Die neue Konstellation hat im Mixed-Kat zwar keine Zukunft, trotzdem freuen sich beide, dass sie so vor Kiel mitmischen können. Wie es weitergeht nach den Europameisterschaften, weiß Tom Heinrich noch nicht. Am liebsten würde er weiter Nacra17 – dann auch mit den neuen Z-Foils – segeln. „Fliegen ist krass“, schwärmt er vom Full-Foiling-Test in Holland.

Während die Aktiven auf den neuen Booten versuchen, den Kat möglichst schnell um den Kurs zu fliegen, liege der Fokus im Feld der C-Foils auf Taktik und Starts. Und obwohl viele Teams ins Feld der Full-Foiler gewechselt sind, ist Tom Heinrich mit der Besetzung zufrieden. „Es ist ein ziemlich hohes Niveau. So wie es in einer olympischen Klasse sein sollte.“
Die Frauen-Teams in den 49erFX starteten heute erst am Nachmittag in ihre vier Rennen. Nicht mit dabei sind die Brasilianerinnen Martine Grael und Kahena Kunze. Die Olympiasiegerinnen haben sich gegen einen Start in Kiel entschieden. Momentan konzentrieren sie sich auf private Projekte und genießen ihren Urlaub, bevor sie dann zur WM im August im portugiesischen Porto wieder angreifen wollen. Doch auch ohne die Brasilianerinnen ist das Feld hochkarätig besetzt. Ihren ersten Platz vom Vortag verteidigten die Bronzemedaillengewinnerinnen von Rio Hansen/Salskov-Iversen (Dänemark) vor Bekkering/Janmaat (Niederlande) und Dobson/Tidey (Großbritannien).

Bei den Nacra 17 Full-Foilern bewiesen Fernando Echavarri Erasun und Tara Pacheco van Rijnsoever aus Spanien das beste Bootshandling. Sie übernahmen die Führung vor den Italienern Ruggero Tita und Caterina Banti sowie Allan Norregaard und Anette Viborg (Norwegen). Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer (Kiel) folgen auf dem vierten Rang.

Alle Ergebnisse und weitere Informationen finden Sie unter:
Ergebnisse 49er Ergebnisse Nacra17