Kieler Woche 26.06.2017

26.06.2017

Kieler Woche
Kieler Woche setzt die Messmarken für den Segelsport
Die Kieler Woche im 135. Jahr ist Geschichte, doch die Signale, die vom Olympiazentrum in Schilksee aus in die Welt geschickt wurden, dürften noch weit in die Zukunft reichen. In beispielhafter Weise wurden die Para World Sailing Championships (PWSC) in das Großereignis integriert, Jugend und Superstars des Segelsports agierten ebenso einträchtig nebeneinander wie Jollen-, Skiff- und Kat-Athleten mit Yacht-Seglern.

450 Ehrenamtler sorgten dafür, dass sich die 4000 Segler aus 65 Nationen und über 300.000 Besucher in der Pagoden-Stadt im Olympiazentrum wohlfühlten. An den neun Tagen wurden fast 500 Wettfahrten gesegelt – bei Winden zwischen Flaute und stürmischen Böen sowie Wetter von karibischer Sonne bis Gewitterschauer. Die SAP Sailing Analytics erfassten rund ein Drittel der Rennen, trackten dabei fast 20.000 Seemeilen und registrierten 35 Millionen Positionswerte der Teilnehmer auf den Regattabahnen. Die täglich mehrstündigen Übertragungen von Kieler Woche TV powered by AUDI machten das Segeln zu einem Sport zum Anfassen, der weltweit erlebbar war. Hinter den harten Fakten steckt eine ständige Vorbereitung durch die Agentur Point of Sailing in Kiel mit Geschäftsführer Sven Christensen und das Organisationsteam um Dirk Ramhorst.

„Wir sind mit den neun Tagen höchst zufrieden“, resümierte dann auch Kieler-Woche-Organisationsleiter Ramhorst, dem das Wetter in die Karten gespielt hatte. „Die Tage waren in den Bedingungen sehr unterschiedlich, geradezu mediterran am Anfang und typisch norddeutsch in der zweiten Hälfte. Wir hatten nur einen Tag, an dem wir Abstriche machen mussten. Am Donnerstag konnten wir wegen der beiden Gewitterfronten und schwieriger Winde nur ein Rumpfprogramm segeln. Aber selbst der Montag, der mit Flaute begann, entwickelt sich noch gut.“ Die kräftigen Winde und Böen in der zweiten Wochenhälfte waren bei einigen Teilnehmern der Para World Sailing Championships allerdings skeptisch gesehen worden. „Es war sicherlich am Limit. Aber die Rücksprache mit Athleten wie Heiko Kröger und dem Bundestrainer hat uns Gewissheit gegeben, dass es segelbar war. Es war eben auch eine Weltmeisterschaft“, so Ramhorst. Und der Team-Abend der PWSC verlief dann auch in bester Stimmung und mit vielen strahlenden Gesichtern. Wohl auch, da sich die paralympischen Segler im Schoße der Kieler Woche bestens aufgehoben fühlten. „Die Integration der Worlds in das Großevent hat bestens funktioniert. Das ist ein starkes Signal an das International Paralympic Committee für eine Wiederaufnahme des Segeln in die Paralympics. Es ist aber auch ein starkes Zeichen für den Weltseglerverband World Sailing, dass auch das Finale des Sailing World Cup perfekt in die Kieler Woche passen würde“, blickte Ramhorst auf das kommende Jahr voraus. Bis September stehen die Organisatoren der Kieler Woche mit World Sailing in Verhandlung, um einen Weg für die Rückkehr des Worldcups nach Kiel zu finden. Dabei geht es zum einen darum, ein Konzept zu entwerfen, dass sowohl die 20 besten Segler der Welt ihren Weltcup-Sieger ermitteln, andererseits aber auch die gewohnt großen Startfelder auf der Außenförde an den Start geschickt werden können. Zudem sind die Fragen der Markenrechte der unterschiedlichen Partner von World Sailing und Kieler Woche zu klären.

Die gestiegenen Anforderungen an die Sicherung von Großveranstaltungen wurden in Schilksee effektiv umgesetzt. „Das Event-Areal war gut gestaltet, und das Sicherheitskonzept ist aufgegangen. Es waren mehr Polizisten sichtbar, aber in sehr freundlicher Präsenz und nicht dominant“, freute sich Ramhorst, dass weder die Besucher noch die Athleten Einschränkungen erlebt hatten.

Für die Zukunft wird die Kieler Woche noch verstärkt an der Nachhaltigkeit arbeiten. Insbesondere die Papierflut hat der Organisationsleiter in den Fokus genommen und will mit dem verstärkten Einsatz von Monitoren daran arbeiten, dass der Informationsfluss weitgehend ohne Ausdrucke funktioniert.

Und die Kieler Woche wird sich auch in ihrem Angebot auf den Bahnen an den Bedürfnissen der Sportler orientieren. Dabei bleibt die grundsätzliche Maxime, dass die einzelnen Klassen rund 20 Boote und mehr an den Start bringen sollten, um die Bahnen sinnvoll bespielen zu können. Die Kieler Woche ist daher beständig mit den Klassenvereinigungen im Austausch – mit denen, die vor Kiel schon fest etabliert sind, und mit denen, die in das Programm auf der Außenförde streben.

Nicht neu vor Kiel, aber in ganz anderer Aufmachung werden im kommenden Jahr die Nacra17-Katamarane kommen. Zur Europameisterschaft in fünf Wochen vor Kiel soll weltweit die erste Regatta der Mixed-Crews auf foilenden Katamaranen gesegelt werden. Ramhorst: „Da werden wir dann auch für die Kieler Woche im kommenden Jahr lernen, wie schnell die Boote sind und welche Anforderungen an den Rennkurs gestellt werden. Das hat auch Einfluss auf die Sicherheitsanforderungen und die Begleitmotorboote. Der Segelsport bleibt nicht stehen, und die Kieler Woche entwickelt sich immer fort, um weiterhin die Messmarken für das Segeln zu setzen.“

Informationen zur Kieler Woche 2017 unter www.Kieler-Woche.de