06.02.2010
Mit Spannung wurden die offziellen Pressekonferenzen der beiden Teams
des 33.America?s Cup in Valencia erwartet, die am Freitag abend kurz
nacheinander in den Base-Camps der Kontrahenten Alinghi und BMW ORACLE
Racing stattfanden.
Die Uhr tickt und in weniger als 2 Tagen ist der erste Start des lang
erwarteten "Best-of-three"-Match Races angesetzt.
Eine beachtliche Anzahl internationaler Pressevertreter wurde von den
Team Eignern E.Bertarelli und L.Ellison, ihren Chefdesignern und den
Entscheidungsträgern der Aftergard -- einige mit mehrfachen Americas Cup
Erfolgen - über die wichtigsten Punkte des Rennens informiert und es war
deutlich zu spüren, dass die Teams es kaum erwarten können, endlich zu
regattieren und die entscheidenden Eigenschaften ihrer gigantischen
Mehrrümpfer ins Spiel zu bringen.
Mit der geringen Kenntnis über die Stärken des Wettbewerbers, keiner
aktuellen Rennerfahrung, auf der man aufbauen könnte und den immensen
technischen Fortschritten und Entwicklungen, waren die Prognosen auf
beiden Seiten zurückhaltend, aber sowohl die Alinghi als auch die BMW
ORACLE Racing Afterguard waren sich einig, dass jedes Boot in bestimmten
Bedingungen Vorteile hat.
Der Start, normalerweise der kritische und auch ein entscheidender Punkt
im Match Race, wird hier völlig anders sein. Es wurden bereits
Massnahmen vereinbart, um die akute Gefahr einer Kollision beim Eintritt
der beiden Mehrrümpfer in die Startbox zu minimieren. Aber schon mit dem
ersten Signal wird ein völlig neues Regatta-terrain betreten, da der
America?s Cup auf dem Wasser in ein neues Kapitel einsteigt.
Alinghi Taktiker Brad Butterworth (NZL) bestätigte, dass Alinghi 5 mit
10 -- 16 Mann gesegelt werden kann. Und Team Präsident Ernesto
Bertarelli (SUI) fügte hinzu, dass der Katamaran von ihm selbst und
Loïck Peyron (FRA) gesteuert werden wird.
BMW ORACLE Racing Gründer und Eigner Larry Ellison (USA) dagegen teilte
mit, dass es unwahrscheinlich ist, dass er bei dem ersten Rennen an Bord
sein wird, während CEO Russell Coutts (NZL) scherzte, dass er noch auf
den Anruf seines Steuermanns James Spithill (AUS) warte, mit der Info,
ob er segeln wird.
*Zitate des Tages:*
*Ernesto Bertarelli*, Alinghi Präsident und Steuermann:
"Wir können es kaum erwarten. Wie bei den letzten beiden Cups haben wir
auch diesmal alles getan, was wir konnten, um bereit zu sein. Wir haben
einen Punkt erreicht, an dem wir nicht mehr viel ändern können.
Natürlich wäre es immer gut, ein paar Tage mehr zu haben, aber es würde
keinen wirklich großen Unterschied mehr machen. Ich bin sehr stolz auf
das Team und auf jede Entscheidung die getroffen wurde. Wir sind bereit,
bereit loszulegen."
*Brad Butterworth*, Alinghi Skipper und Taktiker:
"Es ist immer noch die alte Richtung des America?s Cup. Im
entscheidenden Punkt hat sich nichts geändert, wir gehen da raus und
müssen gut segeln! Und die Konzentration, die im Team herrscht, ist hoch
wie immer, daran hat sich nichts geändert, das ist genau wie bisher."
"Als Neuseeländer, ein Kiwi aufgewachsen in Neuseeland, hätte ich nie
auch nur davon geträumt den America?s Cup einmal auf Booten wie diesen
zu segeln. Das ist ein fantastisches Erlebnis für mich und die anderen
Jungs aus dem Team, die alle erfahrene Segler sind, nicht nur
Mehrrümpfer, viele von uns kommen von den Monohulls. Aber auf Booten wie
diesen Segeln zu können, ist eine einmalige Sache. Diese Vorreiter
stoßen an das Limit des Designs, die Lasten, die auf das Material
wirken, sind enorm und das Tempo, dass sie erreichen können ist
unbeschreiblich. Ohne Frage würde ich meinen Platz an Bord nicht abgeben!"
*Larry Ellison*, BMW ORACLE Racing Eigner und Afterguard:
"Als ich hier ankam, wurde ich informiert, dass wir mit dem Gewicht
genau am Limit sind. Natürlich hatte ich erwartet bei den ersten beiden
Rennen an Bord zu sein und ob es ein drittes Rennen gibt, wissen wir
nicht. Aber es gibt nun einmal ein Gewichtslimit und wir haben die
Grenze erreicht und deshalb bin ich vermutlich beim ersten Rennen nicht
an Bord. Das ist zwar enttäuschend, aber ich möchte auf keinen Fall
unsere Chancen, dieses Rennen zu gewinnen, beeinträchtigen."
"Wir segeln hier im Extrembereich. Dies ist die 'X' version des
America's Cup. Die Technologie ist bis ans Limit ausgereizt. Diese
beiden Yachten sind die schnellsten Segelrennyachten, die je gebaut
wurden. Und sie werden im Match direkt gegeneinander antreten. Ich
denke, dieser Wettbewerb ist das größte Spektakel in der
Segelgeschichte. Ich bin sehr stolz ein Teil davon zu sein."
*Russell Coutts*, BMW ORACLE Racing CEO:
"Ich glaube, das Ergebnis wird sehr von den Windbedingungen des
jeweiligen Tages abhängen. Es wird eine sehr interessante Serie werden.
Alinghi hat bei leichtem Wind einen klaren Vorteil, der bei stärkerem
Wind unserem Boot zugute kommt. Der Vorteil wird sich auch mit dem
Segelmodus ändern, ob wir vor dem Wind, am Wind oder Raumschots segeln.
Ich glaube, die ersten 5 Minuten des ersten Rennens werden einen kleinen
Eindruck vermitteln, was wir zu sehen bekommen werden.
Heike Schwab
Freelance Photographer & Journalist
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