Vereinsgeschichte
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© 2003 by Jürgen Gühlke
Im August 1928 wurde die Segelabteilung im Postsportverein
unter dem Vorsitz des Kameraden Rudolf Junge aus Berlin-Cöpenick
gegründet. Das Leitmotiv der eben gegründeten Segelabteilung
war, Pflege des Segelsports innerhalb der Postbeamtenschaft. Hierzu gehörten:
Ausbildung und Unterstützung unerfahrener Segelkameraden durch theoretischen
und praktischen Unterricht über Ausweichregeln, Lichterführung
, Spleißen und Knoten. Es fehlte jedoch ein eigenes Grundstück,
so dass die Boote zunächst noch in anderen Vereinen und Bootsständen,
in denen sie bis dahin untergebracht waren, verbleiben mussten.
Schon 1929 bildeten sich zwei Gruppen, eine Ost-
und eine Westgruppe; die Westgruppe war in Heiligensee im Sporthaus zu
den 7 Linden und die Ostgruppe im Sportshaus Erbe, in Cöpenick, untergekommen.
Nach einem Jahr war der Bestand der Flotte auf 18 Fahrzeuge angewachsen
und die Mitgliederzahl auf 35 Kameraden gestiegen. Der Vorsitzende Rudolf
Junge musste sich leider aus Krankheitsgründen vom Vorstandsamt zurückziehen.
Sein Nachfolger wurde der Kamerad R. Diersch und Sportwart Erwin Willion.
Infolge tiefgehender Meinungsverschiedenheiten finanzieller und zum Teil
auch persönlicher Art sind die Mitglieder der Westgruppe Heiligensee
geschlossen zum Jahresende aus der Abteilung ausgetreten.
1930 wurden zur Belebung des Fahrtensegelns erstmals
Fahrtenwettbewerbe von der Segelabteilung ausgeschrieben. Teilnahmeberechtigt
waren Mitglieder der Abteilung, die im Besitz eines Führerscheins
waren, mit Booten, die in der Bundesjachtliste eingetragen waren und ein
gültiges Ausweisheft besitzen. An der vom DSB (Deutscher Segler Bund)
veranstalteten Ostmarkstaffette beteiligte sich unsere Abteilung Absendung
einer Ehrenurkunde. Die Urkunde wurde auf dem Wasserweg von Berlin nach
Stettin und von dort über See nach Königsberg befördert,
wo die eintreffenden Urkunden gesammelt und dem Magistrat der Stadt Königsberg
übergeben wurden.
In der Hauptversammlung am 12. Januar 1931 wurden
die neuen Satzungen, die den Erwerb der Steganlage am Stößensee
sowie der geplanten Ost-Steganlage Rechnung trugen. Das Eintrittsgeld
am Stößensee soll 25,- RM für Vollmitglieder, ein monatlicher
Sonderbeitrag von 0,75 RM und für unterstützende Mitglieder
3,- RM und monatlich 0,50 RM betragen. Am Himmelfahrtstag wurde die Steganlage
am Stößensee eingeweiht sowie das erstemal der Stander gehisst
und angesegelt. Auch die Ostgruppe bekam ihren Steg bei den Ruderen am
Wendenschloß und somit hatten beide Gruppen ihre heiß ersehnten
Heimathäfen gefunden.
Die ordentliche Hauptversammlung am 15. Januar 1932
wählte, nach dem Kamerad Diersch sein Amt als Vorsitzender krankheitshalber
niederlegen musste, den neuen Vorstand Kamerad Kasten. Der Obmann der
Stößenseegruppe wurde Kamerad Poggensee.
Große Sorgen bereiten uns unsere Bootsstege am
Stößensee. Trotz persönlicher Verhandlungen des Hauptvorstandes
und einiger Abteilungskameraden mit den zuständigen Behörden
ist es bisher noch nicht gelungen, die Erlaubnis zum Bau von Unterkunfts-
und Geräteräumen zu erhalten.
Inzwischen ist der Zaun auf dem Grundstück
am Stößensee fertiggestellt worden und zwei Häuschen,
deren Genehmigung nun vorlag, sind zum Bau in Auftrag gegeben worden.
Zur Einweihung unserer Häuschen (ein Vereinshaus
und ein Gerätehaus) am 3. September 1933 waren sämtliche Anlieger
sowie die geladenen Gäste der befreundeten Vereine erschienen, um
sich an unserer neuen Errungenschaft mit zu erfreuen. Ein damals wohl
oft zu hörender typischer Satz: „Die sportlich und im Rahmen
der nationalen Bewegung geschmückte Steganlage würdigte voll
und ganz die Feier. “
Die außerordentliche Hauptversammlung am 20. November
wählte den bisherigen Vorsitzenden Kasten als Abteilungsführer,
seine Wahl wurde vom gleichfalls anwesenden Vereinsführer Kamerad
Wolz gutgeheißen und bestätigt.
Zum Verständnis des Lesers hier noch eine Anmerkung
über die politische Situation des Jahres 1933. Nachdem Hans von Tschammer
und Osten am 28. April 1933 zum Reichssportführer ernannt wurde,
änderte sich die gesamte Sportvereinsstruktur. Vereine, die in die
politische Landschaft des NS-Regimes nicht passten, wurden kurzerhand
verboten und das Vermögen eingezogen.
In den verbliebenen Vereinen wurde das Führerprinzip
eingeführt, welches die Oberhäupter der Vereine mit dem Privileg
ausstattete, alle Posten mit Kandidaten ihrer Wahl zu besetzen. Die Führer
konnten zwar von den Vereinen bestellt werden und mussten nicht unbedingt
der NSDAP angehören, wie der Reichssportführer ausdrücklich
feststellte, bedurften aber doch seiner Bestätigung, was missliebige
Kandidaten von vornherein ausschaltete.
In der außerordentlichen Mitgliederversammlung
am 12. März 1934 an der der Vereinsführer Kamerad Wolz teilnahm
erfolgte eine endgültige Aussprache über die Amtsniederlegung
des Kameraden Kasten und die Organisationsfragen der künftigen Segelabteilung
West und der Segelgruppe Ost. Zum Abteilungsführer der Segelabteilung
Stößensee wurde der Segelkamerad Wolfram gewählt und vom
Vereinsführer bestätigt.
An den Jugendbooten „Hede“ und „Gut
Freund“ ist von den Jungmannen fleißig gearbeitet worden.
Die Jungmannen Adamski und Blachwitz haben dann eine herrliche Osterfahrt
nach Nedlitz als erste mit der „Hede“ gemacht.
Am Steg im Stößensee herrscht schon bester
Sportbetrieb. Als Neuerung ist ein Stegdienst eingerichtet worden, dessen
Aufgabe es ist, sowohl für Ordnung zu sorgen als auch das Betreten
der Steganlage durch Fremde zu verhindern.
Die Jahreshauptversammlung fand am 13. November 1935
im Restaurant Schultheiß in Charlottenburg am Knie im Beisein des
Vereinsführers statt und der Kamerad Wolfram wurde wieder zum Abteilungsführer
gewählt.
Unser Fahnenmast erstrahlte von Beginn der Olympischen
Spiele an in bunter Flaggengala, inmitten wehte die Olympische Flagge,
das Klubgebäude und die Jachten hatten ihr Festtagskleid angelegt.
Auch unser sonst so stilles Pichelswerder spürte den Pulsschlag des
Geschehens. Auf seinen Höhen waren die Zeltlager der Turner- und
Schwimmjugend entstanden, die den jungen Sportlern aus allen deutschen
Gauen Unterkunft boten. Die Nähe des Reichssportfeldes gab diesen
und anderen ausländischen Olympiagästen Gelegenheit, auch unsere
sportlichen Einrichtungen und unsere Sportgeräte zu besichtigen.
Alle waren voll des Lobes über die Schönheit und Zweckmäßigkeit
unserer Sporteinrichtungen.
In diesen Tagen feierte die Reichshauptstadt ihren
700. Geburtstag. Im Rahmen der Feierlichkeiten wollten die Segler und
Motorbootfahrer auch ihren Teil an der festlichen Ausgestaltung beitragen.
Am 16. August fand unter Beteiligung der Vereine des
Bezirks, damit auch unsere, die sich mit 24 Schiffen beteiligte, auf dem
Stößensee ein Lampion-Korso statt. Ein Höhenfeuerwerk
bildete den Abschluss der Veranstaltung.
Früher als sonst hatte im Jahre 1938 der Frühling
seinen Einzug gehalten. Die Freizeit jeden Seglers und Motorbootbesitzers
wurde jetzt in vollem Masse für die Instandsetzung seines Fahrzeuges
in Anspruch genommen.
Zu Instandhaltungsfragen an Schiffen hielt der Lehrwart
Dr. Tesch einen Vortrag „ Wie überhole ich mein Schiff“.
Hier einige Auszüge: Der Vierjahresplan gebiete, mit allen Materialien
sparsam umzugehen, und dies gelte vor allem für die vom Wassersportler
verwendeten wertvollen Farben und Oele usw. Ein guter staubfreier und
hochglänzender Lachanstrich ist nur durch peinliche Sauberkeit des
Objektes und der Mittel zu erzielen.
Das Jahr 1939 ist laut den Sitzungsprotokollen geprägt
von euphorischen Kameradschaftsabenden und Über-reichung von Siegespreisen
der vergangenen Saison.
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