Urlaubstörn von der türkischen Ägäis
zur türkischen Riviera

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Wir - drei Ehepaare - planten für Sommer 1998 einen gemeinsamen Segelurlaub. Da es uns in mediterrane Gewässer zog und Rolf schon Törnerfahrungen an der türkischen Südküste hatte, war es schnell klar, daß unser erster gemeinsamer Sommerurlaub an diese gastfreundliche Küste führen sollte. Nach dem Studium einiger Törnberichte in den nautischen Nachrichten der Kreuzer-Abteilung des DSV und nach der Lektüre der nautischen Reiseführer von Andrea Horn/Wyn Hoop und von Gerd Radspieler gingen meine Überlegungen in Richtung eines
One-Way-Törns von Marmaris nach Antalya (siehe Karte).
Dies würde den Vorteil haben, daß wir mit den vorherrschenden Sommerwinden fahren könnten, und daß wir eine Menge einmalig schöner Plätze zwischen Marmaris und Antalya besuchen könnten.

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Bei Hetzel Yachting wird diese Strecke One-Way angeboten und die ausgewählte Yacht, eine Feeling 446 aus der unter türkischer Flagge segelnden Karada-Flotte, soll uns die notwendige "Luft" unter Deck für unser Wohlbefinden auf dem zweiwöchigen Törn verschaffen: der Salon und eine Kabine bleiben frei. Die geplante Route wird nach den Wünschen der Crew so gestaltet, daß sich kürzere Tagesstrecken (unter 20 sm) mit längeren (bis zu 40 sm) abwechseln. Durch die kurzen Tagesstrecken bleibt immer genügend Zeit am Ziel für Landgänge oder um ausgiebig im Meer zu baden.

Schon am Ankunftstag - Samstag, den 29. 8. 98 - begrüßt uns schönstes Sommerwetter mit 35° C im Schatten. Die ganzen 14 Tage sollte es dann so bleiben. Sonne, Sonne, Sonne ... und - was uns leider nicht so gut gefiel - nur wenige Tage mit Segelwind. So muss an den meisten Tagen der Motor zu Hilfe genommen werden. Nach dem Check-In, bei dem wir eine komfortabel ausgestattete Yacht übernehmen dürfen, schauen wir uns noch etwas im schönen Marmaris und in der tollen Marina um.


Der erste Tag bringt uns zur Ekincik-Bucht.
Beim Ankermanöver in der West-Ausbuchtung habe ich doch ein leicht mulmiges Gefühl in der Magengegend, weil es mein erstes Ankermanöver mit Landleine ist. Aber weil Rolf schon Übung mit dem Ausbringen von Landleinen hat, sind wir nach kurzer Zeit fest und können im klaren, wohltemperierten Wasser der Bucht ein erfrischendes Bad nehmen. Wir warten vergeblich auf die in den Reiseführern angekündigten Boote, die uns am nächsten Tag auf dem Dalyan-Fluß zum antiken Kaunos mit seinen Felsengräbern fahren sollen. So beschließen wir, am Montagmorgen gleich zum Golf von Fethiye zu fahren und uns dort mehr Zeit für die vielen hübschen Ankerbuchten zu nehmen.

Beim Ankeraufholen stellen wir fest, daß die Kette immer wieder aus dem Kettenrad springt, weil sie sich im Ankerkasten aufhäuft und dann nach oben aus der Führung gedrückt wird. Das Problem bekommen wir durch das fortwährende Verteilen der einlaufenden Kette im Ankerkasten in den Griff. - Volker hat sich, nebenbei bemerkt, bei diesem Törn zum perfekten "Ankermaat" gemausert. - Bei wenig Wind setzen wir die Genua und segeln mit Motorunterstützung zum Golf von Fethiye, wo wir die Insel Domuz Adasi umrunden und in der Kapi-Bucht (Bild) vor dem Restaurant mit Mooringleine festmachen.


Wie immer, helfen freundliche Hände beim Anlegen und erhalten zum Dank ein Ankerbier. Das Essen im Restaurant schmeckt sehr gut und ist preisgünstig. Vielleicht durch den vom Wirt spendierten Raki animiert, liefern wir uns mit der türkischen Familie am Nachbartisch ein fröhliches Wettsingen.

Am Dienstag folgt eine Rundfahrt durch den Westteil des Golfes von Fethiye mit kurzem Aufenthalt in der Skopea Marina in Göcek (17 DM für 2 Stunden!) zum Bunkern von Wasser und Proviant, mit einem Badenachmittag in der landschaftlich reizvollen Boynuz Bükü und schließlich dem Anlegen am Steg vor dem Restaurant in der "Quellenbucht". - Beim Annähern an den Steg der Skopea Marina stutze ich, denn die Lotanzeige wandert langsam, aber sicher unter 2 m, bis schließlich 1,6 m angezeigt werden - und wir haben 2,05 m Tiefgang!. Da die Wassertiefe laut Hafenplan 2,5 m beträgt, ist nun das Echolot "geeicht"! - Der Kompressor der Kühltruhe verweigert heute auch bei höheren Drehzahlen den Dienst. Zum Glück erreichen wir per D2-Handy Norbert Thier von der Karada-Basis in Marmaris. Er organisiert für uns die Reparatur in Göcek für den nächsten Morgen.


Zur Reparatur unserer elektrischen Anlage fahren wir am Mittwoch früh nach Göcek. - Bei der gemächlichen Ausfahrt aus der "Quellenbucht" spielt Volker wie immer ein paar Trompetensoli mit der (extra eingeflogenen) Trompete (Bild). Diesmal rauscht es nur so von Beifall aus allen Ecken der Bucht. - In Göcek bekomme ich von einem sehr kompetenten Schiffselektriker der Blues-Yachting-Station genau die Ursache des elektrischen Übels gezeigt: Verschiedene elektrische Steckkontakte der Schalttafel haben Wackelkontakte. Nach nur einer Stunde Aufenthalt sind wir wieder auf Fahrt.



Im freien Wasser des Golfes verhilft uns eine frische Brise aus S zu 5 bis 6 kn Fahrt, d.h. wir kreuzen, denn der Wind kommt uns ausgerechnet entgegen! Die Feeling 446 lässt sich hoch am Wind so gut trimmen, daß man das Ruder nicht mal festhalten muß, um Kurs zu halten. Dabei folgt die Yacht auch Winddrehungen und bleibt immer hoch am Wind. Nach der Besichtigungsrunde vor der weltbekannten Lagune Ölü Deniz fahren wir - an Riffen vorbei - zu der reizvollen, ruhigen Ankerbucht bei Karacaören Adasi zum Ankern mit Heckleine.

Am nächsten Tag wollen wir die über 30 sm an den Sieben Kaps - türkisch Yedi Burunlar - vorbei bis nach Kalkan schaffen. Die erwünschte frische Brise stellt sich nicht ein und wir dieseln an der landschaftlich reizvollen Küste entlang. Mehrere über 1000 m hohe Gipfel ragen hier dicht beieinander und nur wenige Kilometer von der Küste entfernt in den Himmel. Die ständig sich verändernden Ausblicke auf die mehrstufig hintereinander liegenden Bergrücken verleihen dieser Küstenlandschaft ihren besonderen Reiz (Bild). Die Langeweile der Motorfahrt wird nur kurz unterbrochen als wir plötzlich eine auf dem Wasser treibende tote Meeresschildkröte sichten. -

Der heutige Tag bringt uns übrigens von der türkischen Ägäis zur türkischen Riviera. - Vor dem "römisch-katholischen Anlegen" im Hafen von Kalkan (Bild) genießen wir das Schwimmen in der malerischen Bucht Yesilköy Limani. Vom Hafen aus sieht Kalkan abends im Lichterglanz sehr pittoresk aus, wir gehen rüber und essen sehr gut auf der Aussichtsterrasse des Restaurants "Aken" mit Blick auf Hafen und Bucht. Den Freitagmorgen nutzen wir zu einem Landausflug nach Xanthos und Patara. Vom hoch gelegenen Xanthos mit lykischen, hellenistischen, römischen und byzantinischen Ruinen aus 21/2 Jahrtausenden blickt man weit in das fruchtbare Tal des Esen-Flusses hinaus. In Patara, nahe dem wunderbar feinen Sandstrand, wandeln wir auf den Spuren des Apostels Paulus, von dem berichtet wird, daß er sich hier im Jahre 55 n.Chr. nach Phönizien einschiffte. Der naturgeschützte Strand von Patara wurde übrigens kürzlich von einem Magazin zum weltschönsten Strand gekürt!

Am Nachmittag fahren wir nach Megisti auf der östlichsten griechischen Insel Kastellorizon. Das verlassen wirkende Megisti liegt nur ca. 3 sm vom türkischen Hafen Kas entfernt, aber über 50 sm östlich von Rhodos! Die Anmeldung beim griechischen Hafenmeister geht ohne große Formalitäten.
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