MEIN GELEBTER TRAUM – W. Barkemeyer

Einhand-Weltumseglung – Törnberichte

Noch eine Segelreise um die Welt ?? – das ist doch nichts Neues…
Doch – ist es !
Wolfgang Barkemeyer stellt in diesem neuen Buch des Fischer Verlages eine seltene Kombination vor – von einer anspruchsvollen Einhand-Segelreise um die Welt mit der Beschreibung von Land und Leuten, die er besucht und kennen gelernt hat.
Auf der Grundlage der Logbucheinträge und Erinnerungen schildert Wolfgang Barkemeyer in humorvoller weise und in der Sprache eines erfahrenen Skippers – mit vielen informativen Fotos – den Reiseverlauf so realistisch und ehrlich, wie es geschehen ist.
Als Beispiel für die Berichterstattung sei hier ein humorvoller Auszug aus der Karibik genannt:

In der Karibik
„Willemstad ist sehr reizvoll und ein echter Kontrast zu den anderen Orten in der Karibik. Bunte,freundlich helle Häuser eben wie in Holland und wer liegt im Hafen? „AIDA AURA“! Man läuft auf der Promenade und hört sehr deutlich thüringische und sächsische Unterhaltungen. Willemstad und insbesondere der Stadtteil Punda ist mehrere Tagesbesuche wert. Neben der „Floating Bridge“ ist auch der „Floating Market“ ein echtes Touristen-Highlight. Während meines Aufenthaltes auf Curacao waren täglich mindestens 2 Kreuzfahrer in der Stadt. Die farbenfrohen Häuser wirken für Europäer und natürlich erst recht für Holländer wie ein Stück Heimat. Nach Passage der „Floating Bridge“ bin ich zunächst direkt zum Kreuzfahrtterminal. Nach Übergabe meines Reisepasses bei der Passierscheinabfertigung am Terminal springt plötzlich der diensthabende Beamte aus seinem Kontrollhäuschen, rennt um die geschlossene Schranke, greift mich, umarmt mich und ruft dabei unüberhörbar für die umstehenden Kreuzfahrttouristen: „Brother, brother, I found my brother.“ Ich war völlig perplex. Der Beamte hieß „Barkmeijer“ und ist ein Nachfahre unseres Familienzweiges aus Holland, die von Hude im 18. Jahrhundert nach Strobosch (NL) ausgewandert waren. Natürlich bin ich nicht wörtlich sein Bruder, sondern hier betitelt man auch männliche Verwandte mit „Brother“. Es bildete sich sofort eine Menschentraube, da man wohl annahm, ich würde verhaftet. Er stürmte sofort in die naheliegende Touristeninformation und holte ohne zu zögern einen Mitarbeiter auf die Straße, der Fotos von uns machen musste. Nach dieser Aktion musste er wieder an seinen Job, da während dieser ganzen Zeit die Schranke zum Kreuzfahrtterminal geschlossen war und sich eine entsprechende Menschen- und Autoschlange gebildet hatte.“

Der Verfasser hatte – nach Beendigung seiner beruflichen Tätigkeiten – das Glück seine Reise über drei Jahre so zu planen, dass er dabei nicht nur ausführliche Landausflüge einlegen konnte sondern auch Gelegenheit hatte, seine Ehefrau an verschiedenen Orten dieser Erde zu sehen und gemeinsame Aktionen durchzuführen.

Die Reisezeit fiel ab Juli 2007 in die Zeit der Weltumsegelung des Ehepaares Roever(Hippopotamus), über die auch SEGEL.DE mehrfach unter Fahrtensegeln berichtet hat. So ergaben sich mehrere schöne Treffen fernab der Heimat. Wer selbst Einiges von dieser Welt gesehen hat – dem wird beim Lesen das Herz aufgehen, wenn er die Bilder und Berichte sieht vom Besuch der Karibikinseln und des Panamakanals, von der Südsee und Neuseeland. Erinnerungen werden wach an eigene Besuche von Durban und Kapstadt in Südafrika,von Lüderitz und dem Sossusvlei in Namibia.
Im Vergleich zum Reisen vor Jahrzehnten muss man die heute funktionierenden Flugmöglichkeiten zu den letzen Winkeln dieser Erde bewundern. Über allem stehen aber die Gebote der erlebten Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft, die eine solche Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.

Wie die Weltkarte zeigt ist Wolfgang Barkemeyer von Burgtiefe aus nach Westen über den Atlantik gesegelt, hat nach einem ausführlichen Besuch von Inseln in der Karibik den Panamakanal passiert um dann über die Galapagosinseln durch die Südsee – einschließlich Bora-Bora nach Neuseeland zu gelangen. Dort lernt man dieses wunderschöne Land bis hin zu den Kiwis und Pinguinen kennen. Dabei wird ein Blick auf Wellington und Auckland nicht vergessen. Auf sicherer Route gelangt der Leser zusammen mit Wolfgang von Darwin aus nach Mauritius und in das multikulturelle Durban. Rund Kapstadt geht es dann nach Namibia – mit einem Abstecher in die Sandwüste des Sossusvlei und über Ascension und die Azoren zurück in den Kanal und schließlich wieder nach Burgtiefe.
Durch die einwandfreie E-Mail- und Telefonverbindung, verliert heutzutage eine solche jahrelange Reise die mentale Belastung ähnlicher Reisen in vergangener Zeit.
Trotzdem zeichnet es solche Skipper aus, genügend Kenntnisse und Fertigkeiten auf den Gebieten der Nautik, Navigation und Wetterkunde, der Ernährung und Gesundheitsvorsorge sowie der zwischenmenschlichen Kommunikation zu besitzen, um allen Anforderungen – auch den unvorhergesehenen – gerecht zu werden. Deshalb verdient die seglerische Leistung von Wolfgang Barkemeyer große Anerkennung, denn es bedarf einer ganzen Reihe von Komponenten, die alle erfüllt sein müssen, um eine solche Reise zum Erfolg zu führen. Fehlt da ein kleiner Faktor,kann die Reise schnell – auch tragisch – enden. Wolfgang Barkemeyer bringt seine Reiseerlebnisse und Erfahrungen dem interessierten Publikum in Lichtbildervorträgen nahe und hat sie in seinem neuen Buch veröffentlicht:

MEIN GELEBTER TRAUM
Einhand-Weltumseglung – Drei Jahre Blauwasser
R.G. Fischer Interbooks