Flaggenführung und Etikette -

auf See und in Häfen - Autor: Willibald Ulbing
Törnvorbereitung
Vorwort:
Jedes Schiff vertritt die Flagge, die es führt. Es hat sich so zu verhalten, dass es das Ansehen seines Landes oder seines Verbandes nicht schädigt. Für den Stander eines Segelclubs gilt das selbe. In bestimmten ausländischen Ländern (besonders in den Nordischen) wird auf die ordnungsgemässe Ausführung von Flaggenführung, Flaggenparade und Flaggengala viel Wert gelegt. Sportschiffer sollten sich deshalb erkundigen und aus seemännischer Höflichkeit den Gepflogenheiten nachkommen.

Seeflagge:
Jede in Dienst gestellte österreichische Segel- oder Motoryacht für auf Schiffahrtsstrassen, in Küstengewässern und auf See die Österreichische Seeflagge, gem. Bundesgesetz 174 vom 7. April 1981, abschnitt I, 3 bestehend aus drei gleichbreiten waagrechten Streifen, von denen der mittlere weiss, der obere und untere rot ist. Das Seitenverhältnis von Höhe zur Breite ist 2:3, in einer der Yacht angemessenen Größe.
Sie ist der für Seeschiffe der betreffenden Gattung üblichen Art zu führen: Im Hafen, vor Anker und in Fahrt am Flaggstock möglichst in der Mitte des Hecks.
Unter Segel kann die Seeflagge auch an der Gaffel oder bei Hochtakelung am Großsegel Achterliek an einer Flaggleine gefahren werden. Auf einem mehrmastigen Segler wird die Seeflagge im Top des hinteren Mastes gefahren.
Die Seeflagge soll nicht - wie oft üblich - am Achterstag gefahren werden.
Auf See kann die Seeflagge nachts oder bei schlechtem Wetter niedergeholt werden, jedoch nicht in Grenzgewässern. Sie ist bei Annäherung von Kriegsschiffen, Behördenfahrzeugen oder beim einlaufen in einen Hafen zu setzen.
Eine Charteryacht führt grundsätzlich die Seeflagge des Landes in dessen Hafen sie registriert ist.
Flaggen und Stander müssen in einwandfreien Zustand sein. Alle Flaggen am Flaggstock und unter der Saling müssenm bis dicht an den Flaggenkopf bzw. bis dicht unter die Saling vorgeheißt sein.

Verbandsflagge:
wenn vorhanden, wird unter der Backbord-Saling gesetzt.

Gastlandflagge:
ist eine kleine "Nationale" des Gastlandes in einer zu den anderen Flaggen passenden Größe und ist bei Erreichung fremder Hoheitsgewässer unter der Steuerbordsaling zu setzen; sie bleibt bis zum Verlassen der Hoheitsgewässer gesetzt.

Clubstander:
des Clubs, bei welchem die Yacht im Yachtregister eingetragen ist, wird im Topp des Mastes, bei mehrmastigen Yachten im Topp des vorderen Mastes gefahren und bleibt während der ganzen Indienststellung gesetzt. Wenn der Eigner Mitglied bei mehreren Clubs ist, können die Wimpel dieses Clubs im Hafen unter der Backbordsaling gesetzt werden.

Flagge "Q":
ist bei Erreichen des ersten Hafens eines fremden Landes unter der Backbord-Saling zu setzten. Man zeigt damit an, dass man aus einem anderen Staat kommt und die Einreiseformalitäten erledigen möchte. Signalflaggen:
nach dem Internationalen Signalbuch dürfen nur nach dessen Vorschriften verwendet werde und sind nach Signaltausch sofort einzuholen. Sie werden unter der Backbord-Saling gesetzt.

Flaggenparade:
Das Zerimoniell der Flaggenparade ist nach wie vor internationaler Brauch. Besonders in den nordischen Ländern. Die Seeflagge ist vom 1. Mai bis 30. September von 08.00 Uhr, in den übrigen Monaten von 09.00 Uhr bis Sonnenuntergang, spätestens jedoch bis 21.00 Uhr gesetzt.
Die Zeiten des Vorheißens und des Niederholens geben ein im Hafen oder vor Anker liegendes Kriegsschiff, die größte Yacht oder der Flaggenmast des ortsansäßigen Vereins an. Aus Höflichkeit schließt man sich diesen Gepflogenheiten an.
Wenn - voraussichtlich zur Zeit der abendlichen Flaggenparade - kein Mitglied der Besatzung an Bord ist, wird die Seeflagge vor dem Vonbordgehen eingeholt.
Wenn bei Charterschiffen die entsprechende Seeflagge am Achterstag fest montiert ist. wird sie um das Achterstag eingerollt.

Flaggengala:
Wer kommt nicht in die Lage sein Boot zu taufen damit der Klabautermann nicht böse ist?
Bei festlichen Anläßen werden Yachten im Hafen oder vor Anker durch "Flaggen über die Toppen" geschmückt. Dazu werden ausschließlich Signalflaggen verwendet. Es werden 13 mal 2 Buchstaben und ein Zahlenwimpel hintereinander vom Bug über die Toppen der Masten gesetzt. Die Hilfsstander werden in den letzten 3 Gruppen anstelle der Zahlenwimpel gesetzt, damit die langen Wimpel im Cockpit nicht stören.
Die Reihenfolge der Buchstaben ist egal, es sollen aber nach Möglichkeit nicht zwei vorwiegend gleichfarbige Buchstaben (z.B. A-B-J-2 oder B-F-U-4) nebeneinander gesetzt werden, um eine bunte Reihenfolge zu bilden.
Die Seeflagge sollte dazu im Top des Großmastes neben dem Clubstander gesetzt werden. Wenn dies nicht möglich ist, ist es kein Fehler, wenn sie an der sonst üblichen Stelle verbleibt.
Soll bei einem ausländischen Festtag die fremde Nationale geehrt werden, so kommt diese in den Topp des Großmastes. Die eigene Seeflagge bleibt an der sonst üblichen Stelle.

Flaggengruß:
Der Flaggengruß ist nach wie vor auch in der Sportschiffahrt üblich. Besonders in Großbrittannien und den skandinavischen Ländern wird Wert darauf gelegt.
Der Flaggenegruß ist freiwillig, die Erwiederung jedoch Pflicht.
Die grüßende Yacht holt die eigene Seeflagge halb nieder und heißt sie wieder vor wenn der Gegrüßte ebenfalls seine Seeflagge niedergeholt hat. Wenn das "halb Niederholen" wegen zu kurzem Flaggstocks nicht möglich ist, wird durch Senken des Flaggstocks gegrüßt. Wenn dies auf Grund eines festgeschraubten Stockes auch nicht möglich ist, wird durch Herumschlagen der Seeflagge um den Flaggenstock der Flaggengruß durchgeführt.
Ein Kriegschiff wird immer zuerst gegrüßt. die eigene Seeflagge wird erst wieder geheißt, wenn das Kriegschiff den Gruß erwiedert hat oder man erkennt, daß nur der Gruß nicht erwiedert wird. Beim Begegnen einer Flotille von Kriegschiffen grüßt man nur das durch den Führungsstander gekennzeichnet Schiff.

Trauer:
Wird im allgemeinen nur im Hafen oder vor Anker gezeigt. In Fahrt nur dann, wenn sich ein Toter an Bord befindet.
Als Zeichen der Trauer wird die Seeflagge halbstocks gesetzt. Wenn dies nicht möglich ist, kann ein Trauerflor über die gesetzte Seeflagge montiert werden.

Autor: Willibald Ulbing.
entnommen aus Sailmail Nr.21 des ÖSV(Otto Slawicek) v. 30.04.99.

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