Von Athen bis zum Berg Athos

Mit Überfliegerkarte durch die Ägäis – am Ende der „alten“ Zeiten – vor 40 Jahren.

Ein Törn in der Ägäis bietet fast immer die Gewähr dafür, daß sich Sonne, blauer Himmel, Wind, einsame Inseln und Kulturerbe zusammenfügen zu einem erlebnisreichen und unvergeßlichen Erlebnis. Wir nahmen uns vor mit einer Dufour 33 von Lavrion südlich Athen aus an Euböa und Skiathos vorbei zur Halbinsel Chalkidiki mit dem Berg Athos zu segeln.

 

ARGOS-Prospektkarte Ägäis
ARGOS-Prospektkarte Ägäis

Doch zuerst werden nach Besorgung der notwendigen Einreiseerlaubnis für Athos natürlich das Nationalmuseum mit seinen Bronzeheroen und lebendig bemalten Vasen sowie die Akropolis als Minimalprogramm besucht.

Nach einem Abschiedsgruß hinauf zum Tempel auf dem Kap Sunion nehmen wir Kurs nach Norden auf Chalkis zu, wo uns die Drehbrücke über der engen Durchfahrt und der starke und wechselnde 6kn-Strom einige Zeit kosten.

Durch den nördlichen Golf von Euböa geht es mit einem Reff im Segel zur Straße von Oreoi und weiter nach Skiathos, dem Beginn der nördlichen Sporaden.
Hier geniessen wir einen Tag im Schatten der bis an den Strand heranreichenden Kiefern und am Abend bei einem – sprich mehreren Ouzo.

Dann kommt der erste große Sprung – leider wegen des NO-Windes unter Motor zur mittleren Halbinsel Sithonia mit ihren neuentstandenen Ferienzentren.
Mit einem Schwenk wieder nach Süden segeln wir hinüber zur östlichen Halbinsel von Chalkidiki – Hag.Oros – besser bekannt als Berg Athos mit seiner tausend Jahre alten Mönchsrepublik.

An blühenden Ginsterbüschen vorbei – in einer märchenhaften Stille – wandern wir vom Anlegeplatz bei Daphne hinauf zum ersten Kloster, wo wir gastfreundlich mit Klosterlikör begrüßt werden. Im Eßsaal werden wir mit Brot,Zwiebellauch,Essig und Öl bewirtet und spüren nach kurzer Zeit etwas von der kargen, gottzugewandten Lebensweise dieser Mönche, die kein weibliches Wesen auf ihrer Halbinsel dulden.

 

In Karyai bekommen wir ein handschriflich ausgefertigtes Zertifikat – eine Art Aufenthaltserlaubnis und lernen in einem der nächsten Klöster, die wir besuchen, Akademiker verschiedener Disziplinen kennen, die hier für 5 Jahre sich vom weltlichen Trubel zurückgezogen haben um in Ruhe ihren Studien und interdisziplinären Gesprächen nachgehen zu können.

Hier können wir auch in den Bibliotheken alte mit Purpurtinte auf Pergament geschriebene Codices aus dem 4./5. Jahrhundert bewundern – unvorstellbar wertvolle kulturelle Schätze.
Nach 3 Tagen in der Mönchsrepublik fällt uns der Abschied schwer. Mit einem neuen Mercedesbus, der von den Popen in einer anrührenden Zeremonie geweiht wurde, fahren wir auf der halsbrecherischen Piste wieder hinunter zu unserer Dufour und segeln weiter – um die Südspitze mit dem hochaufragenden Berg Athos herum weiter nach Nordosten zur Insel Thasos, wo noch ein ausgedehnter Kiefernwald die Abholzung vergangener Jahrhunderte überstanden hat.
Die erste Station auf der Heimreise ist Samothraki, wo man (leider nur!) in einem kleinen Park die Kopie der weltberühmten Nike von Samothrake bewundern kann, welche höchstselbst die Eingangshalle des Louvre schmückt.

Dicht an der türkischen Seegrenze entlang erreichen wir dann Limnos, wo die Kontrollen im Hafen wegen der Grenznähe etwas schärfer ausfallen. Die friedliche Stille der anderen Inseln fehlt hier – irgendwie liegt Spannung in der Luft.

Wieder haben wir einen langen Schlag nach SSW vor uns und erreichen Skyros erst nach Sonnenuntergang – mit stotterndem Motor. Durch die enge stockdunkle Einfahrt von Linaria manövrieren wir uns mit der Handlampe und sind nach diesem langen Tag ein wenig erschöpft. Dafür werden wir am nächsten Tag belohnt mit einem Spaziergang zu einem der schneeeweißen Örtchen hoch oben auf einem Berg mit einem phantastischen Ausblick auf die Küste und das Meer.
Nocheinmal ein langer Schlag nach Süden Richtung Andros, wo wir aber nicht anlegen wollen, sondern durch die starkbefahrene Straße von Doro mit ihren 5kn Strom fahren wollen – nach Kea. Auf dieser Nachtfahrt unter Motor mußte man schon genau die Positionslichter der Handelsschiffe beachten um nicht in unliebsame Nähe zu kommen.
Beim Landgang auf Kea zischten auch schon mal Schlangen durchs Gestrüpp und jagten einem einen gehörigen Schrecken ein.

Doch jeder Törn hat einmal ein Ende – und so fahren wir zum Abschied noch einmal zum Kap Sunion, mit seinem klassisch – fast kitschig schönen Sonnenuntergang.
Ein Törn, der uns oft an Odysseus denken ließ, und der uns so manche Geschichten aus der Penne ins Gedächtnis zurückrief, war zu Ende – für den einen ein Grund mehr im nächsten Jahr wieder in die Ägäis zu fliegen um hier neue Facetten dieser geschichtsträchtigen Inselwelt kennenzulernen, für den anderen die Genugtuung auch einmal dieses schöne Fleckchen Erde kennen und lieben gelernt zu haben. I.Kr