Die Geschichte der Baltischen
Segler-Vereinigung

Fühe Geschichte bis 1939

Im Jahr 1978 feiert die Baltische Segler-Vereinigung (BSV) ihr 100jähriges Jubiläum. Das hört sich zunächst so einfach an, aber man sollte bedenken, daß so ein Zeitabschnitt von 100 Jahren ein gut Teil geschichtlichen Geschehens beinhaltet. Seitdem die BSV wieder über eine eigene, gesicherte Heimstätte am Steinhuder Meer verfügt und die beiden Gruppen Berlin und Hamburg Clubheime bezogen haben, sollte ein Rückblick nicht nur erlaubt, sondern sogar erforderlich sein. Etwa ein Drittel der mehr als 500 Mitglieder stammt noch aus dem Baltikum bzw. aus einem deutsch-baltischen Elternhaus. Der größere Teil aber setzt sich aus Seglern und Freunden zusammen, deren Geburtsorte weit von den baltischen Landen entfernt liegen.

Sie fühlen sich geradezu dieser baltischen Segler-Vereinigung wegen ihrer alten Bräuche hingezogen, die uns von den 5 deutschen Stammvereinen, die im Baltikum ansässig waren, überliefert wurden. Hierbei kann der Begriff "Überlieferung" mit dem Wort "Tradition" gleichgesetzt werden.

Bevor wir uns mit der Geschichte der BSV befassen, soll noch geklärt werden, warum wir unsere Vereinigung noch heute "baltisch" nennen und warum wir noch heute die Tradition, die Überlieferung, hochhalten.

Die Menschen, die 1878 den "Rigaer Yacht-Club", den ältesten unserer Stammvereine, dessen Tradition wir heute noch wahren, gegründet haben, oder diejenigen, die bereits 1820 in Reval den "Orden der kühnen Segler" stifteten (der allerdings nur kurze Zeit Bestand hatte), 35 Jahre bevor der älteste Segelclub Deutschlands, der Segel Club "Rhe" in Königsberg (1855) gegründet wurde, diese Menschen haben ihre besondere Prägung durch ihre Vorfahren und das Land, in dem sie lebten, erhalten.

Diese Vorfahren kamen vor nunmehr 750 Jahren - ursprünglich vorwiegend aus Niedersachsen und Westfalen - als Fernkaufleute, Handwerker, Priester und ritterliche Kreuzfahrer auf dem Seewege in das ostbaltische Küstenland zwischen dem Memelstrom und dem Finnischen Meerbusen. Sie brachten den dortigen Völkern das Christentum und gründeten Städte wie Riga (1201) und Reval (1230), die zur Zeit der Hanse und des Deutschritterordens zu höchster Blüte gelangten. Das neu erschlossene Land hieß im Mittelalter Livland oder Marienland. Später kam auch Zuzug aus ost- und mitteldeutschen Gauen, der bis über die Mitte des vorigen Jahrhunderts anhielt.

Im Laufe von Generationen wurden die Deutschbalten, wie man sie seit Beginn unseres Jahrhunderts nannte, zu einer eigenständigen Gruppe geformt. Das Land mit seiner lettischen und estnischen Stammbevölkerung, der Umgang mit den Trägern der staatlichen Herrschaft, die seit 1561 aufeinanderfolgten, den Polen, den Schweden, den Russen und seit 1918 den Letten und Esten, prägten den Charakter der baltischen Deutschen und verwiesen sie immer wieder auf Eigeninitiative und Selbsthilfe.

In dieser Umgebung bildeten sich im Laufe der Zeiten die Sitten und Gebräuche, von denen die Mitglieder der BSV die liebenswertesten übernommen haben.

Als Träger dieser Tradition können wir unseren Club mit Fug und Recht "Baltische Segler-Vereinigung" nennen.

Zum Inhalt Nächstes Kapitel