Chronik der Gruppe Steinhude

 

 

Im Jahre 1954 gründeten drei Mitglieder der BSV (damals noch in Lübeck ?) die Gruppe Hannover, die noch im gleichen Jahr auf 13 Mitglieder anwuchs.

Ab 1956 konnten wir als Gäste die Stege des HYC mitbenutzen.

In der Generalversammlung am 8.4.1961 wurde anstelle des ausscheidenden Commodore E.von Holst von der Versammlung  Kurt Schilling zum Commodore gewählt.

 

Die sofortigen Bemühungen um ein Grundstück am Steinhuder Meer  fruchteten bald in der Genehmigung der Fürstlichen Hofkammer / Bückeburg für ein Gelände, das damals noch so aussah, wie das heute noch unberührte „Naturschutzgebiet“ neben unserem Grundstück. Der Erbbaurechtsvertrag sichert der BSV die Nutzung und  eingeschossige  Bebauung auf 99 Jahre und nach Ablauf dieser Frist ein Vorkaufsrecht zu. 1964 wurde der Bebauungsplan für das ca. 13.000 qm  große Areal genehmigt, so dass im Oktober mit den Rodungs- und Aufspülarbeiten  begonnen werden konnte. Seitdem sind die deutschen Segelvereine aus Riga, Reval, Libau und Arensburg nach der Umsiedlung 1939  und dem Zusammenschluß zur Baltischen Segler-Vereinigung e.V. in Gotenhafen, sowie Flucht aus Gotenhafen in den Westen, wo der Verein beim Amtsgericht in Hannover in das Vereinsregister eingetragen wurde, endlich wieder sesshaft geworden.

 

 In dieser Zeit  waren  in Steinhude 43 Damen und Herren an den Wochenenden tätig – eine mühsame „ Knochenarbeit“ nahm ihren Anfang bei der  Herrichtung des mit Erlen verdichteten Schilfgeländes zum Bauland  ebenso wie beim Ausschachten  und Verlegen von Ver- und Entsorgungsleitungen ( nachsströmendes Grundwaser wurde mit Handpumpen mangels E-Anschluß bekämpft !) sowie Einbringen von Eisenbahnschwellen für die Uferbefestigung, die uns die Bundesbahn von einer stillgelegten Strecke bei Großenheidorn zur Verfügung gestellt hatte und in einem Hagenburger Sägewerk  zurechtgeschnitten wurden.Im Sommer wurden Zelte aufgeschlagen, um  am Wochenende möglichst früh mit der Arbeit beginnen zu können. Damals nannten Nachbarn die BSV`er scherzhaft aber aufschauend die „Baltische Schipper-(Schauffler-)Vereinigung . Diese anstrengende und aus heutiger Sicht unvorstellbare Aufbautätigkeit unter schwierigen finanziellen Gegebenheiten festigte den guten Zusammenerhalt unserer Gruppe und alle freuten sich  zielstrebig auf das zukünftige Clubleben in Steinhude.

 

Im September 1967 wurden die Fundamente des Clubhauses und der Reihenhäuser gelegt, weiterer Boden angefahren und ca.1m über dem Wasserspiegel aufgeschüttet. Im Sommer 1968  wurden – auch in Eigenarbeit – das Clubhausdach gedeckt und die Fußböden gelegt. Die erste Generalversammlung in Steinhude fand 1970 schon im eigenenClubhaus statt.

 

 

Vorausschauend plante man  von Anfang an einen auf Mitgliederzuwachs ausgerichteten Gebäudeumfang , der in drei Bauabschnitten  1985 fertiggestellt wurde. Unter Berücksichtigung von Mitgliederwünschen wurde der 3. Bauabschnitt architektonisch so konzipiert, dass eine Angliederung an den vorhandenen Baukomplex in Gestaltung und Material berücksichtigt sowie von der Konstruktion zukünftige Erweiterbarkeit ohne besondere Umbaumaßnahmen möglich ist . Der Bauauftrag konnte zu einem Festpreis an Fa. Gundlach, Hannover vergeben werden. (Von dieser Weitsicht profitierten wir bewundernd und kostensparend im Jahre 2002 beim Neubau der Sanitäranlagen !).

 

Aber immer wieder waren es beherzte Mitglieder, die unermüdlich die umfangreichen Arbeiten wie z. B. Elektro- und Heizungsinsatallationen  und Baunebenleistungen in vielen Arbeitsstunden selbst durchführten und unseren Club voranbrachten.

Ständige Erweiterungen und Erneuerungen auf dem Gelände wie neue Stege und Kaimauern, Errichtung und Sanierung des Flaggmastes, Kranbau, Bau einer Slipanlage, Pflege und Gestaltung des Geländes erfordern immer wieder Arbeitseinsätze unserer Mitglieder. So lebte z.B. im Jahre 2002 „alter baltischer Corpsgeist“  wieder beim Bau unserer neuen Sanitätanlagen auf. Unsere Mitglieder leisteten 1230 Arbeitsstunden bei der Demontage der alten Sanitärobjekte, Abbruch einiger Wände, Ausbau der Türzargen, Abschlagen der Wandfliesen,  Stemm- und Bodenaushub, Verlegung der Elektroleitungen, Einbau der Rigipsdecken und Freilegung der alten Wasserleitungen im Außenbereich.

 

Heute sind in unserem Clubhaus Steinhude die Messe und der große Festsaal für ca. 160 Personen, der anschließende Jugendraum, diverse Schlafräume für Gäste und auswärtige Regattateilnehmer, Einzelzimmer und Häuschen für Mitglieder, eine Hausmeisterwohnung mit bewirtschafteter Küche, ein „Hamburger Appartement“,  Regattabüro, Werkstatt und Bootshalle und eine Terasse vor dem Hauptgebäude Mittelpunkte der Aktivitäten unserer Clubmitglieder, die das Wochenende oder Ferien hier verbringen und von hier aus einen herrlichen Blick bis zur Insel Wilhelmstein über das ganze Steinhuder Meer mit seinen zahllosen Segeln der privaten Segler und Regattafelder.

 

 Die auf dem Rasen  vor dem Clubhaus abgestellten Jollen und an den Stegen festgemachten  Segelboote machen deutlich, dass man sich bei einem Segel-Verein und nicht in einem Strandhotel mit Fernblick aufhält, obgleich es von den Unterbringungsmöglichkeiten her durchaus so sein könnte. Wenn nämlich die BSV selbst größere Regatten oder Meisterschaften ausrichtet, besuchen häufig bis zu 75 Boote und ca. 150 Gäste zusätzlich zu den eigenen Mitgliedern das Gelände und seine Einrichtungen.

 

Gerade durch derartige Veranstaltungen, durch Wettfahrten, Lehrgänge, Freizeiten  und die Jüngstenausbildungen z.B. auf Optimisten – Jollen und neuerdings auch Eisoptimisten, wird die Jugend an das Segeln herangeführt. Aber auch Ausbildung und z.B. Seminare von  Klassenvereinigungen, Kadermitgliedern und Trainertagungen erfüllen die Baltische Segler-Vereinigung e.V. Steinhude ständig mit „seglerischem Leben“, nicht zuletzt auch eigene Comite- und Vorstandssitzungen.

 

Beim gemeinsamen Aufbau in Steinhude oder beim Segeln wurden und werden die Erfahrungen der älteren Aktiven aus dem Baltikum, ihr Wissen und auch baltische Segel-Tradition an die neuen  Mitglieder aus der heutigen Umgebung weitergegeben. Auch im Winter wird das Segeln auf dem Eise fortgesetzt. Eine Sportart, in der gerade baltische Segler vor dem Kriege besonders erfolgreich waren. Wenn auch infolge der unsicheren Eisverhältnisse in Steinhude nicht so ausgiebig wie früher in Reval oder Riga auf dem Eise gesegelt werden kann, versucht doch die BSV durch verstärkte Jugendausbildung möglichst viele Freunde für diesen zwar kalten, aber auch rasanten Sport zu gewinnen.

 

 Zu zahlreichen Europameisterschaften auf dem Eise und der olympischen Bronze-Medaille in Amsterdam, wie auch große Erfolge auf internationalen Regattabahnen vor dem Kriege und danach Vizeweltmeister- ausländische und deutsche Meisterschaften sind in den letzten Jahren von BSV-Mitgliedern errungen worden. Allein im Jahre 2002 nahmen 4 BSV-Mitglieder aus Steinhude an den Damenweltmeisterschaften in Tavira/Portugal teil, der amtierende Deutsche Vizemeister(in )  der 420er- und Europameister der Javelin - Bootsklasse sind Mitglieder der Baltischen Segler-Vereinigung  e.V.  Steinhude, ganz zu schweigen von erfolgreichen Teilnahmen wie z.B. Kieler-und Travemünder-Wochen sowie auf diversen auswärtigen und Steinhuder Regattafeldern.

 

Die in der Messe in einer Glasvitrine ausgestellten Pokale erinnern ihre Betrachter daran, wie erfolgreich die früheren Mitglieder der Stammvereine segelten und damit den heutigen Seglern der BSV ein Beispiel gaben.

 

Auch im Archiv der BSV zusammengetragende Dokumente und segelsportliche Unterlagen aus den letzten 125 Jahren erzählen vom baltischen Segelsport – Dokumente, die von der damaligen Art des Segelns berichten, von den früheren  Regatten , aber auch ersten Yachtbaumateralien, Segelstoffen, Wettfahrt-Taktiken usw. – kurz so vieles, was sich von dem unterscheidet, was heute gebräuchlich und selbstverständlich  ist. Hier spannt sich der Bogen bis zur Gegenwart, indem alte Regatta- und Segel-Tradition fortgesetzt wird, genauso wie im heutigen Clubhaus der BSV das Erbe der Vergangenheit am Leben erhalten  wird, zum Vorbild der heutigen Jugend, die aus den Erfolgen und Erfahrungen früherer Generationen lernt, aber auch die Möglichkeit hat, danach ihren Weg auszurichten.

 

Heute ist der größte Teil unserer Mitglieder nicht mehr im Baltikum geboren und viele neu hinzugekommene fragen „Was ist denn das baltische an der Baltischen Segler-Vereinigung ?“

Ehren-Commodore Prof. Dr. Hartge u.a. zur Frage des Zusammenlebens in so einem Club.“   Baltisch ist zum Beispiel Großzügigkeit  im Hinnehmen von Unzulänglichkeiten der Gemeinschaft bei gleichzeitiger Großzügigkeit im Anerkennen und Hinnehmen eigener Verpflichtungen. Denn ein Club kann die von den Mitgliedern erwarteten Leistungen nur erbringen, wenn jedes einzelne Mitglied mehr einbringt, als es fordert.“

 

Das müssen wir  in der Baltischen Segler-Vereinigung e.V. Steinhude zukünftig fortführen !

 

-> zurück